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Amtsrichter Johnsons Höhepunkte

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  Amtsrichter Johnsons Höhepunkte.  von Georg Busse-Palma Ursprünglich 1902 in Leipzig veröffentlicht bei Hermann Seemann Nachfolger Jeder Mensch hat in seinem Leben einige Höhepunkte, die ihm bis sein seliges oder unseliges Ende unvergesslich bleiben. Auch Ernst Alexander Johnson hatte die seinigen. Den ersten hatte er damals erreicht, als er, der eben Amtsrichter in dem kleinen polnischen Städtchen geworden war, seine alte Studentenliebe heimführte. Am ersten Abend, als sie beisammen sassen, schmiegten sie sich fest aneinander und blickten wortlos in ihre neue Heimat.   Ernst Alexander, in dem ein gefesselter Dichter lag, seufzte tief auf. Auf den Goldgrund des gegenwärtigen Glückes malten seine Träume Blüten und Kränze einer späteren Zukunft, und das Grün der Hoffnung war überall. Die Augen wurden ihm feucht. Er griff nach der Hand seiner Frau und küsste sie, so dass sie seine Thränen spürte. Auch ihre Blicke waren verschwommen. Vielleicht hatte sie seine T...

Der alte Steffen

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  Der alte Steffen.  von Georg Busse-Palma   Ursprünglich 1902 in Leipzig veröffentlicht bei Hermann Seemann Nachfolger Im Osten der Universitätsstadt erhebt sich das Armenhaus. Es ist aus massiven, grauen Steinen gebaut und hat zwei Stockwerke. In dem oberen befinden sich aber nur die Krankensäle, so dass die noch rüstigen Insassen von der schönen, kleinen Stadt fast nichts zu sehen bekommen. Denn aus ihren niedrig gelegenen Fenstern können sie die Mauern, die das Haus umschliessen, nicht überblicken, und Urlaub bekommen sie sehr selten. Im Winter ist das zu ertragen. Wenn der Regen gegen die Scheiben schlägt oder die Flocken immer dichter und dichter herniederwirbeln, frieren die alten Leute und sehnen sich nicht nach draussen. Nur der alte Steffen vielleicht. Aber auch der denkt dann nicht an die deutschen Thäler und Gebirgsketten, die dann doch rauh und ungastlich sind. Er träumt von der heissen, brennenden Tropensonne, trotzdem gerade sie ihn so krank und elend ...

Ein Kind der See

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  Ein Kind der See.  von  Georg Busse-Palma Ursprünglich 1902 in Leipzig veröffentlicht bei Hermann Seemann Nachfolger Er war ein Antwerpener. Sein Vater, dessen Glieder die Gicht gekrümmt hatte, verzehrte sich vor Sehnsucht nach dem offenen Meer, das er Jahrzehnte lang befahren hatte. Als kleiner Hafenbeamter wohnte er dicht am Wasser, und über die Wiege seines Kindes flogen die herben, salzigen Seewinde. In die Schlummerliedchen, die ihm die Mutter sang, schrillten die Dampfpfeifen, und wenn er des Nachts sein heisses Köpfchen aus den Kissen hob und durch das Fenster sah, glotzten ihn aus der Ferne böse, rotglühende Augen an. Er fürchtete sich aber nicht lange vor ihnen, denn ehe er noch sprechen konnte, wusste er schon, dass sie kein Spuk, sondern nur die Laternen mächtiger, dunkler Schiffskolosse waren, die sich schwerfällig durch den Kanal dem geräumigen Hafen zu bewegten. Kaum, dass er die Kinderschuhe ausgetreten hatte, ging auch er zur See. Als Leichtmatr...

Abendfalter

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  Abendfalter. von  Georg Busse-Palma Ursprünglich 1902 in Leipzig veröffentlicht bei Hermann Seemann Nachfolger   An jedem Samstag Nachmittag hatte Brigitte Winterfeld nichts Besseres zu thun, als mit den Kindern des Pfarrers auf der grossen Wiese herumzutollen. Es waren dies zwei Mädchen von elf und dreizehn Jahren, bei denen es lange währte, ehe sie ermüdet, aber jauchzend vor Vergnügen, sich in die Butterblumen warfen, die ebenso goldgelb waren wie der Sommersonnenschein über ihnen. Brigitte liess aber, ihrer eigenen Trägheit zum Trotz, nicht eher nach, und wenn sie es erreicht hatte, dann war auch die ruhende Gruppe, die braunen Kinder zu Seiten ihrer grossen, schönen Spielgefährtin, ein Bild, das allen Augen gefiel. Der pensionierte Oberförster Winterfeld besass, einen Büchsenschuss vom Dorfe entfernt, ein Landhaus, weilte aber jeden Sonnabend bis Mitternacht in der Stadt, wo ihn gute Freunde und ein guter Trunk nicht eher losliessen. So war es schon seit Jahren...

Die Haushälterin

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  DIE HAUSHÄLTERIN von Marjorie Bowen Veröffentlicht in Crimes of Old London, Odhams Ltd., London, 1919 Herr Robert Sekforde, ein ziemlich lädierter Mann der Mode, betrat mit taumelndem Schritt sein Haus in der Nähe der Taverne des "Black Bull" in High Holborn. Er war immer noch unter dem Namen "Beau Sekforde" bekannt und war immer noch ganz im Sinne der Mode des Jahres 1710 gekleidet, mit weiten Brokatröcken, einer riesigen Perücke und einer Menge Spitzen und Strassverzierungen, die fast so glänzend waren wie Diamanten. Herr Sekforde selbst hatte viel von dieser falschen Pracht an sich; aus einiger Entfernung sah er noch immer wie der prächtige Mann aus, der er einst gewesen war, aber bei näherer Betrachtung war er mit Puder und Rouge beschmiert wie eine Frau, schwer um die Augen und den Kiefer, fahl auf den Wangen - ein zwar hübscher Mann, aber einer, der durch Jahre des Müßiggangs, des guten Lebens und der billigen Ausschweifungen einer zugleich brutalen und ver...

FLORENCE FLANNERY

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  FLORENCE FLANNERY von Marjorie Bowen Erstmals veröffentlicht als "Florence Flannery-An Ornament in Regency Paste", 1924 SIE, die Florence Flannery gewesen war, bemerkte mit unachtsamem Auge die nassen Flecken auf der staubigen Treppe und suchte mit einem Blick, der an die Beobachtung von Häuslichkeiten nicht gewöhnt war, nach feuchten oder tropfenden Decken. Das schummrige Treppenhaus enthüllte nichts als noch mehr Staub, aber das würde als Aufhänger für schlechte Laune dienen, also schmollte Florence. "Ein kranker, schmutziger Ort", sagte sie, die Vergoldungen und Verzierungen und Spiegel, in denen sich Samtstühle spiegelten, liebte, und zappelte in das obere Gemach, wobei sie die Rüschenröcke verächtlich hochhob. Ihr Mann folgte ihr; sie waren seit einer Woche verheiratet, und es hatte nie ein Glück in ihrer wilden Leidenschaft gegeben. Daniel Shute suchte jetzt nicht danach; im Ekel vor dieser schleppenden Heimkehr fragte er sich, was ihn dazu bewogen hatte, d...

 SELBSTMORD AUS LIEBE

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  Georges Eekhoud SELBSTMORD AUS LIEBE An Georges Khnopff. Marcel Gentrix, dem Dilettanten, war es passiert, dass er in einem der sehr seltenen Fälle, in denen er sich zu einem Abendessen einfand,- denn er fühlte sich schon bei dem Gedanken an Präsentationen, Auftragsfreundlichkeiten und müßige Gesichter unwohl,- mit einem englischen Gentleman namens Sir Lawrence-Frank Whittow zusammentraf. Das nebulöse und rätselhafte Gesicht des Fremden hatte seine Aufmerksamkeit ebenso gefordert wie ein seltener Gegenstand, eine antike Medaille oder eine ausgegrabene Musik. Ohne die Art des Spuks oder der Besessenheit zu erraten, unter der Frank Whittow litt, vermutete der falsche Misanthrop in ihm einen dieser stolzen Menschenfreunde, einen dieser außergewöhnlichen Menschen, die sich in sich selbst zurückgezogen haben und sich an den Leidenschaften verzehren, die sie nicht wie ein reinigendes Feuer an eine Elite von Sterblichen weitergeben konnten. In den Augen der Außenwelt war Sir Lawrence ei...