Stille Botschaften: Ein Büroabend in Gedanken, Schatten und Ritualen
Stille Botschaften: Ein Büroabend in Gedanken, Schatten und Ritualen Arbeitsalltag als letzter im büro Die Stille hier wusste mehr über mich, als ich mir in Ruhe eingestehen wollte: sie kannte meine unnötigen Gewohnheiten, die Art, wie ich den Stift zwischen den Fingern drehte, und dass ich immer die Kaffeemaschine zwei Minuten länger laufen ließ, nur um das leise Blubbern zu haben, das das Büro lebendig erscheinen ließ. Anna stellte die Thermoskanne ab, ging die langen Reihen von Schreibtischen entlang und berührte flüchtig die Monitore wie Verteidiger einer Stadtmauer. Draußen flackerte die Stadt in einem gemächlichen Takt von Autoscheinwerfern und Werbetafeln, drinnen summte die Klimaanlage ein monoton-sicheres Lied. Ihr Tagesrhythmus war wie ein Uhrwerk: Mails prüfen, Serverlogs durchscrollen, den letzten Kopierauftrag aus der Druckwarteschlange löschen, Fenster richtig verriegeln. Als letzte Person im Gebäude war sie zugleich Hausmeisterin, IT-Feuerwehr und unbezahlte Psycholo...