Geleitwort


Montag, 21. März 2022

Die Garten-Party

von

Katherine Mansfield


Und schließlich war das Wetter ideal. Einen perfekteren Tag für eine Gartenparty hätten sie nicht haben können, wenn sie ihn bestellt hätten. Windstill, warm, der Himmel ohne eine Wolke. Nur das Blau war mit einem Schleier aus hellem Gold überzogen, wie es manchmal im Frühsommer der Fall ist. Der Gärtner war seit dem Morgengrauen auf den Beinen, um den Rasen zu mähen und zu fegen, bis das Gras und die dunklen, flachen Rosetten, auf denen die Gänseblümchen gestanden hatten, zu leuchten schienen. Bei den Rosen konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie verstanden hatten, dass Rosen die einzigen Blumen sind, die die Leute auf Gartenpartys beeindrucken; die einzigen Blumen, die jeder mit Sicherheit kennt. Hunderte, ja, buchstäblich Hunderte, waren in einer einzigen Nacht herausgekommen; die grünen Sträucher verneigten sich, als wären sie von Erzengeln besucht worden.

Das Frühstück war noch nicht vorbei, als die Männer kamen, um das Festzelt aufzustellen.

"Wo soll das Festzelt stehen, Mutter?"

"Mein liebes Kind, es hat keinen Sinn, mich zu fragen. Ich bin fest entschlossen, dieses Jahr alles euch Kindern zu überlassen. Vergesst, dass ich eure Mutter bin. Behandelt mich wie einen Ehrengast."

Aber Meg konnte unmöglich gehen und die Männer beaufsichtigen. Sie hatte sich vor dem Frühstück die Haare gewaschen und saß beim Kaffeetrinken mit einem grünen Turban und einer dunklen, nassen Locke auf jeder Wange. Jose, der Schmetterling, kam immer in einem seidenen Petticoat und einer Kimonojacke herunter.

"Du musst gehen, Laura; du bist die Künstlerin."

Laura flog davon, immer noch mit ihrem Stück Butterbrot in der Hand. Es ist so köstlich, eine Ausrede zu haben, um im Freien zu essen, und außerdem liebte sie es, Dinge zu arrangieren; sie hatte immer das Gefühl, dass sie das so viel besser konnte als alle anderen.

Vier hemdsärmelige Männer standen in einer Gruppe auf dem Gartenweg. Sie trugen mit Segeltuchrollen bespannte Stöcke und hatten große Werkzeugtaschen auf ihren Rücken geschnallt. Sie sahen beeindruckend aus. Laura wünschte sich jetzt, sie hätte das Butterbrot nicht bekommen, aber sie konnte es nirgendwo hinstellen und sie konnte es unmöglich wegwerfen. Sie errötete und versuchte, ernst und sogar ein bisschen kurzsichtig auszusehen, als sie auf die beiden zuging.



"Guten Morgen", sagte sie und ahmte die Stimme ihrer Mutter nach. Aber das klang so furchtbar affektiert, dass sie sich schämte und wie ein kleines Mädchen stammelte: "Oh-er-haben Sie kommen-ist es wegen des Festzeltes?"

"Das stimmt, Miss", sagte der größte der Männer, ein schlaksiger, sommersprossiger Kerl, schob seine Werkzeugtasche beiseite, schlug seinen Strohhut zurück und lächelte zu ihr hinunter. "Das war's dann wohl."

Sein Lächeln war so leicht, so freundlich, dass Laura wieder zu sich kam. Was für schöne Augen er hatte, klein, aber so ein dunkles Blau! Und jetzt schaute sie zu den anderen, auch sie lächelten. "Kopf hoch, wir beißen schon nicht", schien ihr Lächeln zu sagen. Wie nett die Handwerker doch waren! Und was für ein schöner Morgen! Sie durfte den Morgen nicht erwähnen; sie musste geschäftsmäßig sein. Das Festzelt.

"Nun, was ist mit der Lilienwiese? Wäre das was für dich?"

Und sie zeigte mit der Hand, die nicht das Butterbrot hielt, auf die Lilienwiese. Sie drehten sich um und starrten in die Richtung. Ein kleiner dicker Kerl schob seine Unterlippe vor, und der große Mann runzelte die Stirn.

"Ich finde das nicht gut", sagte er. "Nicht auffällig genug. Weißt du, mit so einem Ding wie einem Festzelt", und er wandte sich mit seiner lockeren Art an Laura, "sollte man es irgendwo aufstellen, wo es einem eine Ohrfeige verpasst, wenn man mir folgt."

Lauras Erziehung ließ sie für einen Moment zweifeln, ob es wirklich respektvoll von einem Arbeiter war, mit ihr über Ohrfeigen zu sprechen. Aber sie folgte ihm trotzdem.

"Eine Ecke des Tennisplatzes", schlug sie vor. "Aber die Band wird in einer Ecke sein."

"Ihr wollt also eine Band haben?", sagte ein anderer der Arbeiter. Er war blass. Seine dunklen Augen musterten den Tennisplatz mit einem hageren Blick. Was hatte er vor?

"Nur eine ganz kleine Band", sagte Laura sanft. Vielleicht würde es ihn nicht so sehr stören, wenn die Band ganz klein wäre. Aber der große Mann unterbrach sie.

"Sehen Sie hier, Miss, das ist der Platz. Gegen diese Bäume. Da drüben. Das wird reichen."

Gegen die Karakas. Dann wären die Karaka-Bäume versteckt. Und sie waren so schön, mit ihren breiten, glänzenden Blättern und ihren gelben Fruchtbüscheln. Sie waren wie Bäume, die man sich auf einer einsamen Insel vorstellte, stolz und einsam, die ihre Blätter und Früchte in einer Art stiller Pracht der Sonne entgegenstreckten. Müssen sie von einer Markise verdeckt werden?

Das müssen sie. Die Männer hatten bereits ihre Stöcke geschultert und machten sich auf den Weg zum Platz. Nur der große Mann war noch übrig. Er bückte sich, zupfte an einem Lavendelzweig, hielt sich Daumen und Zeigefinger an die Nase und schnupperte den Geruch ein. Als Laura diese Geste sah, vergaß sie alles über die Karakas und wunderte sich, dass er sich um solche Dinge kümmerte - um den Duft des Lavendels. Wie viele Männer, die sie kannte, hätten so etwas getan? Oh, wie außerordentlich nett Arbeiter doch sind, dachte sie. Warum konnte sie keine Handwerker als Freunde haben und nicht die dummen Jungs, mit denen sie tanzte und die zum Sonntagabendessen kamen? Mit solchen Männern würde sie viel besser zurechtkommen.

Das ist alles die Schuld dieser absurden Klassenunterschiede, beschloss sie, als der große Kerl etwas auf die Rückseite eines Umschlags zeichnete, etwas, das man aufhängen oder hängen lassen sollte. Sie für ihren Teil spürte sie nicht. Nicht ein bisschen, nicht ein Atom.... Und jetzt kam das dumpfe Klopfen von Holzhämmern. Jemand pfiff, jemand rief: "Bist du noch ganz dicht, Kumpel?" "Kumpel!" Um zu beweisen, wie glücklich sie war, um dem großen Kerl zu zeigen, wie wohl sie sich fühlte und wie sehr sie dumme Konventionen verachtete, nahm Laura einen großen Bissen von ihrem Butterbrot, während sie auf die kleine Zeichnung starrte. Sie fühlte sich wie ein Arbeitsmädchen.

"Laura, Laura, wo bist du? Telefon, Laura!", rief eine Stimme aus dem Haus.

"Ich komme!" Sie huschte los, über den Rasen, den Weg hinauf, die Treppe hinauf, über die Veranda und in die Veranda. In der Halle bürsteten ihr Vater und Laurie gerade ihre Hüte, um ins Büro zu gehen.

"Laura", sagte Laurie sehr schnell, "du könntest vor dem Nachmittag noch einen Blick auf meinen Mantel werfen. Schau, ob er gebügelt werden muss."

"Das werde ich", sagte sie. Plötzlich konnte sie sich nicht mehr zurückhalten. Sie rannte auf Laurie zu und drückte ihn kurz an sich. "Oh, ich liebe Partys, du nicht auch?", keuchte Laura.

"Ra-ther", sagte Lauries warme, jungenhafte Stimme, und er drückte seine Schwester ebenfalls und gab ihr einen sanften Schubs. "Geh schnell zum Telefon, altes Mädchen."

Das Telefon. "Ja, ja; oh ja. Kitty? Guten Morgen, Liebes. Kommst du zum Mittagessen? Gerne, meine Liebe. Natürlich mit Vergnügen. Es wird nur eine ganz kleine Mahlzeit sein - nur die Krusten der Sandwiches und die zerbrochenen Baiserschalen und das, was übrig geblieben ist. Ja, ist das nicht ein perfekter Morgen? Dein Weiß? Oh, das sollte ich auf jeden Fall. Einen Moment - bleib dran. Mutter ruft an." Und Laura lehnte sich zurück. "Was, Mutter? Ich höre nichts."

Mrs. Sheridans Stimme drang die Treppe hinunter. "Sag ihr, sie soll den süßen Hut tragen, den sie letzten Sonntag aufhatte."

"Mutter sagt, du sollst den süßen Hut tragen, den du letzten Sonntag aufhattest. Gut. Um ein Uhr. Tschüss."

Laura legte den Hörer zurück, warf die Arme über den Kopf, holte tief Luft, streckte sich und ließ sie wieder fallen. "Huh", seufzte sie und setzte sich im nächsten Moment schnell auf. Sie war still und lauschte. Alle Türen im Haus schienen offen zu sein. Das Haus war erfüllt von leisen, schnellen Schritten und laufenden Stimmen. Die Tür aus grünem Gips, die zu den Küchenbereichen führte, schwang auf und schloss sich mit einem dumpfen Schlag. Und jetzt ertönte ein langes, kicherndes, absurdes Geräusch. Es war das schwere Klavier, das auf seinen steifen Rollen bewegt wurde. Aber die Luft! War die Luft immer so, wenn du aufhörtest, sie zu beobachten? Kleine, schwache Winde spielten eine Verfolgungsjagd, oben an den Fenstern hinein und an den Türen hinaus. Und zwei winzige Sonnenflecken, einer auf dem Tintenfass, einer auf einem silbernen Bilderrahmen, spielten ebenfalls. Süße kleine Flecken. Besonders der auf dem Deckel des Tintenfasses. Er war ganz warm. Ein warmer kleiner silberner Stern. Sie hätte ihn küssen können.

Die Klingel an der Haustür läutete und das Rascheln von Sadies bedrucktem Rock erklang auf der Treppe. Eine Männerstimme murmelte; Sadie antwortete unbekümmert: "Ich bin sicher, ich weiß es nicht. Warte, ich werde Mrs. Sheridan fragen."

"Was ist los, Sadie?" Laura kam in den Flur.

"Es ist der Blumenhändler, Miss Laura."

Das war er in der Tat. Direkt vor der Tür stand ein breites, flaches Tablett mit Töpfen voller rosa Lilien. Keine andere Sorte. Nichts als Lilien - Kanna-Lilien, große rosa Blüten, weit geöffnet, strahlend, fast beängstigend lebendig auf leuchtend karminroten Stielen.

"O-oh, Sadie!", sagte Laura und es klang wie ein kleines Stöhnen. Sie hockte sich hin, als wolle sie sich an der Lilienpracht wärmen; sie spürte, wie sie in ihren Fingern, auf ihren Lippen und in ihrer Brust wuchsen.

"Das ist ein Irrtum", sagte sie mit leiser Stimme. "Niemand hat je so viele bestellt. Sadie, geh und such Mutter."

Doch in diesem Moment kam Mrs. Sheridan zu ihnen.

"Es ist ganz richtig", sagte sie ruhig. "Ja, ich habe sie bestellt. Sind sie nicht wunderschön?" Sie drückte Lauras Arm. "Ich bin gestern an dem Laden vorbeigekommen und habe sie im Schaufenster gesehen. Und plötzlich dachte ich, dass ich einmal in meinem Leben genug Canna-Lilien haben werde. Die Gartenparty wird eine gute Ausrede sein."

"Aber ich dachte, du wolltest dich nicht einmischen", sagte Laura. Sadie war weg. Der Mann vom Blumenladen stand immer noch draußen an seinem Wagen. Sie legte ihren Arm um den Hals ihrer Mutter und biss ihr sanft, ganz sanft, ins Ohr.

"Mein liebes Kind, du möchtest doch nicht eine logische Mutter haben, oder? Tu das nicht. Hier ist der Mann."

Er trug noch mehr Lilien, noch ein ganzes Tablett.

"Stellt sie bitte auf beiden Seiten der Veranda auf, direkt vor der Tür", sagte Mrs. Sheridan. "Meinst du nicht auch, Laura?"

"Oh, doch, Mutter."

Im Salon hatten Meg, Jose und der gute kleine Hans es endlich geschafft, das Klavier zu bewegen.

"Wenn wir jetzt dieses Chesterfield an die Wand stellen und alles außer den Stühlen aus dem Zimmer räumen, meinst du nicht?"

"Ganz genau."

"Hans, stell die Tische ins Raucherzimmer und hol einen Feger, um die Flecken auf dem Teppich zu beseitigen und - Moment, Hans -" Jose liebte es, den Bediensteten Befehle zu erteilen, und sie gehorchten ihr gerne. Sie gab ihnen immer das Gefühl, dass sie in einem Drama mitspielten. "Sag Mutter und Fräulein Laura, dass sie sofort herkommen sollen."

"Sehr gut, Frau Jose."

Sie wandte sich an Meg. "Ich möchte hören, wie das Klavier klingt, falls ich heute Nachmittag singen soll. Lass uns 'This life is Weary' ausprobieren."

Pom! Ta-ta-ta Tee-ta! Das Klavier brach so leidenschaftlich aus, dass sich Josés Gesicht veränderte. Sie schlug die Hände zusammen. Traurig und rätselhaft schaute sie ihre Mutter und Laura an, als diese hereinkamen.

Dieses Leben ist weinerlich,
Eine Träne ein Seufzer.
Eine Liebe, die wankt,
Dieses Leben ist tränenreich,
Eine Träne ein Seufzer.
Eine Liebe, die chan-ges,
Und dann. . . Lebewohl!

Aber bei dem Wort "Auf Wiedersehen", und obwohl das Klavier verzweifelter klang als je zuvor, brach ihr Gesicht in ein strahlendes, furchtbar unsympathisches Lächeln aus.

"Bin ich nicht gut bei Stimme, Mami?", strahlte sie.

Dieses Leben ist winzig,
Die Hoffnung kommt zum Sterben.
Ein Traum ein Wa-kening.

Doch jetzt unterbrach Sadie sie. "Was ist los, Sadie?"

"Die Köchin sagt, hast du die Flaggen für die Sandwiches?"

"Die Flaggen für die Sandwiches, Sadie?", echote Mrs. Sheridan verträumt. Und die Kinder wussten an ihrem Gesicht, dass sie sie nicht hatte. "Lass mich mal sehen." Und sie sagte fest zu Sadie: "Sag der Köchin, dass sie sie in zehn Minuten haben kann."

Sadie ging.

"Laura", sagte ihre Mutter schnell, "komm mit mir in die Raucherecke. Ich habe die Namen irgendwo auf der Rückseite eines Umschlags. Du musst sie für mich aufschreiben. Meg, geh sofort nach oben und zieh dir das nasse Ding vom Kopf. Jose, lauf und zieh dich sofort fertig an. Hört ihr mich, Kinder, oder muss ich das eurem Vater sagen, wenn er heute Abend nach Hause kommt? Und, Jose, beruhige die Köchin, wenn du in die Küche gehst, ja? Ich habe heute Morgen schreckliche Angst vor ihr."

Der Umschlag wurde schließlich hinter der Uhr im Esszimmer gefunden, aber wie er dorthin gekommen war, konnte sich Mrs. Sheridan nicht vorstellen.

"Eines von euch Kindern muss ihn aus meiner Tasche gestohlen haben, denn ich erinnere mich ganz genau - Frischkäse und Zitronenquark. Habt ihr das gemacht?"

"Ja."

"Ei und..." Mrs. Sheridan hielt den Umschlag von ihr weg. "Das sieht aus wie Mäuse. Das können keine Mäuse sein, oder?"

"Olive, Schatz", sagte Laura und schaute über ihre Schulter.

"Ja, natürlich, Olive. Was für eine schreckliche Kombination das ist. Ei und Olive."

Endlich waren sie fertig und Laura ging mit ihnen in die Küche. Dort fand sie Jose vor, der die Köchin beruhigte, die überhaupt nicht furchterregend aussah.

"Ich habe noch nie so exquisite Sandwiches gesehen", sagte Joses schwärmerische Stimme. "Wie viele Sorten, sagtest du, gibt es, Koch? Fünfzehn?"

"Fünfzehn, Miss Jose."

"Nun, Koch, ich gratuliere dir."

Die Köchin fegte die Krusten mit dem langen Sandwichmesser zusammen und lächelte breit.

"Godber's ist gekommen", verkündete Sadie, die aus der Speisekammer kam. Sie hatte den Mann am Fenster vorbeigehen sehen.

Das bedeutete, dass die Windbeutel gekommen waren. Godber's war berühmt für seine Windbeutel. Niemand kam auf die Idee, sie zu Hause zu machen.

"Bring sie rein und stell sie auf den Tisch, mein Mädchen", befahl die Köchin.

Sadie brachte sie herein und ging zurück zur Tür. Natürlich waren Laura und Jose viel zu erwachsen, um sich wirklich um solche Dinge zu kümmern. Trotzdem konnten sie nicht umhin, zuzugeben, dass die Puffs sehr attraktiv aussahen. Sehr. Die Köchin begann sie zu arrangieren und schüttelte den überschüssigen Puderzucker ab.

"Nimmt man die nicht mit zu all seinen Partys?", fragte Laura.

"Ich denke schon", sagte der praktische Jose, der es nicht mochte, wenn man ihn zurücktrug. "Sie sehen schön leicht und federleicht aus, muss ich sagen.

"Nehmt euch einen, meine Lieben", sagte die Köchin mit ihrer angenehmen Stimme. "Eure Mutter wird es nicht merken."

Oh, unmöglich. So kurz nach dem Frühstück schon Windbeutel zu essen. Allein der Gedanke daran ließ einen erschaudern. Trotzdem leckten sich Jose und Laura zwei Minuten später die Finger mit diesem versunkenen Blick, den man nur von Schlagsahne kennt.

"Lass uns in den Garten gehen, durch den Hintereingang", schlug Laura vor. "Ich will sehen, wie die Männer mit dem Festzelt vorankommen. Sie sind so furchtbar nett."

Aber die Hintertür war von der Köchin, Sadie, Godbers Mann und Hans blockiert.

Es war etwas passiert.

"Tuk-tuk-tuk", gackerte die Köchin wie ein aufgeregtes Huhn. Sadie hatte ihre Hand an die Wange geklatscht, als hätte sie Zahnschmerzen. Hans verzog das Gesicht, als wolle er verstehen. Nur Godbers Mann schien sich zu amüsieren; es war seine Geschichte.

"Was ist denn los? Was ist passiert?"

"Es hat einen schrecklichen Unfall gegeben", sagte Cook. "Ein Mann wurde getötet."

"Ein Mann wurde getötet! Wo? Wie? Wann?"

Aber Godbers Mann wollte sich seine Geschichte nicht vor der Nase wegschnappen lassen.

"Kennen Sie die kleinen Häuschen hier unten, Miss?" Sie kennen? Natürlich kannte sie sie. "Nun, dort wohnt ein junger Mann namens Scott, ein Fuhrmann. Sein Pferd scheute heute Morgen an der Ecke Hawke Street vor einer Zugmaschine und er wurde auf den Hinterkopf geschleudert. Er wurde getötet."

"Tot!" Laura starrte den Mann von Godber an.

"Er war tot, als sie ihn abholten", sagte Godbers Mann genüsslich. "Sie brachten die Leiche gerade nach Hause, als ich hierher kam." Und er sagte zu der Köchin: "Er hat eine Frau und fünf kleine Kinder hinterlassen."

"Jose, komm her." Laura packte ihre Schwester am Ärmel und zog sie durch die Küche auf die andere Seite der Tür aus grünem Mörtel. Dort hielt sie inne und lehnte sich dagegen. "Jose!", sagte sie entsetzt, "wie sollen wir denn jetzt alles aufhalten?"

"Alles aufhalten, Laura!", rief Jose erstaunt. "Was meinst du damit?"

"Natürlich mit der Gartenparty aufhören." Warum tat Jose nur so?

Aber Jose war noch mehr erstaunt. "Mit der Gartenparty aufhören? Meine liebe Laura, sei doch nicht so absurd. Natürlich können wir nichts dergleichen tun. Niemand erwartet das von uns. Sei nicht so extravagant."

"Aber wir können doch unmöglich eine Gartenparty feiern, wenn ein Mann tot vor dem Tor liegt."

Das war wirklich extravagant, denn die kleinen Häuschen lagen in einer eigenen Gasse am Ende eines steilen Anstiegs, der zum Haus hinaufführte. Dazwischen verlief eine breite Straße. Es stimmt, sie waren viel zu nah. Sie waren der größte Schandfleck und hatten kein Recht, in dieser Gegend zu sein. Es waren kleine schäbige Behausungen, die schokoladenbraun gestrichen waren. In den Gartenbeeten gab es nichts als Kohlstängel, kranke Hühner und Tomatendosen. Schon der Rauch, der aus ihren Schornsteinen kam, war armselig. Kleine Lumpen und Rauchfetzen, ganz anders als die großen silbernen Rauchfahnen, die aus den Schornsteinen der Sheridans quollen. In der Gasse lebten Wäscherinnen, Kehrer, ein Schuster und ein Mann, dessen Hausfassade mit winzigen Vogelkäfigen übersät war. Es wimmelte von Kindern. Als die Sheridans noch klein waren, durften sie keinen Fuß in die Gasse setzen, weil sie sich dort anstecken konnten und die Sprache nicht gut war. Aber seit sie erwachsen waren, gingen Laura und Laurie auf ihren Streifzügen manchmal hindurch. Es war ekelhaft und schäbig. Sie kamen mit einem Schauder heraus. Aber trotzdem muss man überall hingehen, man muss alles sehen. Also gingen sie hindurch.

"Und stell dir vor, wie sich die Band für die arme Frau anhören würde", sagte Laura.

"Oh, Laura!" Jose begann, sich ernsthaft zu ärgern. "Wenn du jedes Mal eine Band stoppen willst, wenn jemand einen Unfall hat, wirst du ein sehr anstrengendes Leben führen. Mir tut das genauso leid wie dir. Ich habe genauso viel Mitgefühl." Ihre Augen verhärteten sich. Sie sah ihre Schwester so an, wie sie es immer tat, wenn sie klein waren und zusammen kämpften. "Du wirst einen betrunkenen Arbeiter nicht wieder zum Leben erwecken, indem du sentimental bist", sagte sie leise.

"Betrunken! Wer sagt denn, dass er betrunken ist?" Laura wandte sich wütend gegen Jose. Sie sagte, wie sie es bei solchen Gelegenheiten immer zu sagen pflegten: "Ich gehe sofort hoch und sage es Mutter.

"Tu das, Liebes", gurrte Jose.

"Mutter, darf ich in dein Zimmer kommen?" Laura drehte den großen Glastürknauf.

"Natürlich, Kind. Was ist denn los? Warum hast du so eine Farbe?" Und Mrs. Sheridan drehte sich von ihrem Schminktisch um. Sie probierte gerade einen neuen Hut an.

"Mutter, ein Mann wurde ermordet", begann Laura.

"Doch nicht im Garten?", unterbrach ihre Mutter sie.

"Nein, nein!"

"Oh, was hast du mich erschreckt!" Mrs. Sheridan seufzte erleichtert, nahm den großen Hut ab und hielt ihn auf ihren Knien.

"Aber hör mal, Mutter", sagte Laura. Atemlos, halb erstickt, erzählte sie die schreckliche Geschichte. "Natürlich können wir unsere Party nicht feiern, oder?", flehte sie. "Die Band und alle anderen kommen an. Sie würden uns hören, Mutter, sie sind fast Nachbarn!"

Zu Lauras Erstaunen verhielt sich ihre Mutter genau wie Jose; es war noch schwerer zu ertragen, weil sie sich zu amüsieren schien. Sie weigerte sich, Laura ernst zu nehmen.

"Aber, mein liebes Kind, benutze deinen gesunden Menschenverstand. Es ist nur ein Zufall, dass wir davon erfahren haben. Wenn dort jemand auf normale Weise gestorben wäre - und ich verstehe nicht, wie sie in diesen kleinen Löchern überleben können -, dann müssten wir doch immer noch unsere Party feiern, oder?"

Laura musste das bejahen, aber sie hatte das Gefühl, dass es falsch war. Sie setzte sich auf das Sofa ihrer Mutter und kniff in die Kissenrüsche.

"Mutter, ist das nicht furchtbar herzlos von uns?", fragte sie.

"Liebling!" Mrs. Sheridan stand auf und kam mit dem Hut in der Hand zu ihr herüber. Bevor Laura sie aufhalten konnte, hatte sie ihn schon aufgesetzt. "Mein Kind", sagte ihre Mutter, "der Hut gehört dir. Er ist für dich gemacht. Er ist viel zu jung für mich. Ich habe noch nie gesehen, dass du so gut aussiehst. Sieh dich an!" Und sie hielt ihren Handspiegel hoch.

"Aber, Mutter", begann Laura wieder. Sie konnte sich nicht ansehen und drehte sich zur Seite.

Diesmal verlor Mrs. Sheridan die Geduld, genauso wie Jose es getan hatte.

"Du verhältst dich sehr absurd, Laura", sagte sie kalt. "Solche Leute erwarten keine Opfer von uns. Und es ist nicht sehr sympathisch, allen den Spaß zu verderben, wie du es gerade tust."

"Ich verstehe das nicht", sagte Laura und ging schnell aus dem Zimmer in ihr eigenes Schlafzimmer. Dort sah sie zufällig als erstes dieses bezaubernde Mädchen im Spiegel, mit ihrem schwarzen Hut, der mit goldenen Gänseblümchen verziert war, und einem langen schwarzen Samtband. Niemals hätte sie gedacht, dass sie so aussehen könnte. Hat Mutter recht? dachte sie. Und jetzt hoffte sie, dass ihre Mutter recht hatte. Bin ich extravagant? Vielleicht war es extravagant. Für einen kurzen Moment hatte sie noch einen Blick auf die arme Frau und die kleinen Kinder und die Leiche, die ins Haus getragen wurde. Aber es schien alles verschwommen, unwirklich, wie ein Bild in der Zeitung. Ich werde mich wieder daran erinnern, wenn die Party vorbei ist, beschloss sie. Und irgendwie schien das auch der beste Plan zu sein....

Das Mittagessen war um halb zwei vorbei. Um halb zwei waren sie alle bereit für den Kampf. Die grün gekleidete Band war angekommen und hatte sich in einer Ecke des Tennisplatzes niedergelassen.

"Meine Liebe!", trällerte Kitty Maitland, "sind sie nicht zu sehr wie Frösche, um sie zu beschreiben? Du hättest sie um den Teich herum aufstellen sollen, mit dem Dirigenten in der Mitte auf einem Blatt."

Laurie kam an und grüßte sie auf dem Weg zum Anziehen. Bei seinem Anblick erinnerte sich Laura wieder an den Unfall. Sie wollte es ihm erzählen. Wenn Laurie mit den anderen übereinstimmte, dann war es sicher in Ordnung. Und sie folgte ihm in den Flur.

"Laurie!"

"Hallo!" Er war schon halb oben, aber als er sich umdrehte und Laura sah, blähte er plötzlich die Backen auf und starrte sie an. "Meine Güte, Laura! Du siehst wirklich umwerfend aus", sagte Laurie. "Was für ein absolut geiler Hut!"

Laura sagte leise: "Wirklich?", lächelte Laurie an und sagte es ihm dann doch nicht.

Bald darauf kamen die Leute in Strömen. Die Band spielte auf; die angeheuerten Kellner rannten vom Haus zum Festzelt. Wohin man auch blickte, schlenderten Paare, beugten sich zu den Blumen, grüßten und zogen weiter über den Rasen. Sie waren wie leuchtende Vögel, die sich für diesen einen Nachmittag im Garten der Sheridans niedergelassen hatten, auf dem Weg nach - wohin? Ach, was für ein Glück ist es, mit Menschen zusammen zu sein, die alle glücklich sind, die Hände zu drücken, die Wangen zu streicheln, in die Augen zu lächeln.

"Liebste Laura, wie gut du aussiehst!"

"Was für ein schöner Hut, Kind!"

"Laura, du siehst ziemlich spanisch aus. Ich habe dich noch nie so auffällig gesehen."

Laura strahlte und antwortete leise: "Hast du schon Tee getrunken? Willst du nicht ein Eis haben? Die Passionsfrucht-Eiscreme ist wirklich etwas ganz Besonderes." Sie lief zu ihrem Vater und flehte ihn an. "Papa, Schatz, kann die Band nicht etwas zu trinken haben?"

Und der perfekte Nachmittag reifte langsam heran, verblasste langsam, langsam schlossen sich die Blütenblätter.

"Niemals eine schönere Gartenparty...." "Der größte Erfolg...." "So ziemlich das...."

Laura half ihrer Mutter bei der Verabschiedung. Sie standen Seite an Seite in der Veranda, bis alles vorbei war.

"Alles vorbei, alles vorbei, dem Himmel sei Dank", sagte Mrs. Sheridan. "Ruf die anderen zusammen, Laura. Lass uns einen frischen Kaffee trinken gehen. Ich bin erschöpft. Ja, es war sehr erfolgreich. Aber oh, diese Partys, diese Partys! Warum wollt ihr Kinder unbedingt Partys geben!" Und sie setzten sich alle in das verlassene Festzelt.

"Nimm dir ein Sandwich, lieber Papa. Ich habe die Flagge geschrieben."

"Danke." Mr. Sheridan nahm einen Bissen und das Sandwich war weg. Er nahm ein weiteres. "Ich nehme an, du hast nicht von dem schrecklichen Unfall gehört, der heute passiert ist?", sagte er.

"Meine Liebe", sagte Mrs. Sheridan und hielt ihre Hand hoch, "doch, das haben wir. Er hätte beinahe die Party ruiniert. Laura hat darauf bestanden, dass wir es verschieben."

"Oh, Mutter!" Laura wollte sich nicht damit aufziehen lassen.

"Es war trotzdem eine schreckliche Angelegenheit", sagte Mr. Sheridan. "Der Kerl war auch verheiratet. Er wohnte unten in der Gasse und hinterlässt eine Frau und ein halbes Dutzend Kinder, so heißt es."

Es entstand eine peinliche Stille. Mrs. Sheridan zappelte mit ihrer Tasse herum. Das war wirklich sehr taktlos von Vater....

Plötzlich schaute sie auf. Auf dem Tisch lagen all die belegten Brote, Kuchen und Torten, die nicht aufgegessen waren und verschwendet werden sollten. Sie hatte eine ihrer brillanten Ideen.

"Ich weiß", sagte sie. "Lass uns einen Korb zusammenstellen. Schicken wir der armen Kreatur etwas von diesem guten Essen. Das wird auf jeden Fall die größte Freude für die Kinder sein. Findest du nicht auch? Und die Nachbarn werden bestimmt vorbeikommen und so weiter. Wie gut, dass alles schon vorbereitet ist. Laura!" Sie sprang auf. "Hol mir den großen Korb aus dem Treppenschrank."

"Aber, Mutter, hältst du das wirklich für eine gute Idee?", fragte Laura.

Schon wieder, wie neugierig, schien sie anders zu sein als sie alle. Sie wollte die Reste von ihrer Party mitnehmen. Würde das der armen Frau wirklich gefallen?

"Natürlich! Was ist denn heute mit dir los? Vor ein oder zwei Stunden hast du noch darauf bestanden, dass wir dir sympathisch sind, und jetzt..."

Na ja! Laura rannte zu dem Korb. Er war gefüllt und wurde von ihrer Mutter angehäuft.

"Nimm ihn selbst, Liebling", sagte sie. "Lauf runter, so wie du bist. Nein, warte, nimm auch die Aronstab-Lilien. Leute dieser Klasse sind so beeindruckt von Aronstab-Lilien."

"Die Stiele werden ihr Spitzenkleid ruinieren", sagte der praktische Jose.

Das würden sie auch. Gerade noch rechtzeitig. "Dann eben nur den Korb. Und, Laura", ihre Mutter folgte ihr aus dem Zelt, "du darfst auf keinen Fall..."

"Welche Mutter?"

Nein, so etwas sollte man dem Kind besser nicht in den Kopf setzen! "Nichts! Geh schon."

Es wurde gerade dämmrig, als Laura das Gartentor schloss. Ein großer Hund lief wie ein Schatten vorbei. Die Straße schimmerte weiß, und unten in der Senke lagen die kleinen Häuschen im tiefen Schatten. Wie ruhig es nach dem Nachmittag schien. Hier ging sie den Hügel hinunter zu einem Ort, an dem ein Mann tot war, und sie konnte es nicht erkennen. Warum konnte sie das nicht? Sie blieb einen Moment stehen. Und es schien ihr, als wären Küsse, Stimmen, klimpernde Löffel, Lachen, der Geruch von zermahlenem Gras irgendwie in ihr. Sie hatte keinen Platz für etwas anderes. Wie seltsam! Sie schaute in den blassen Himmel und dachte nur: "Ja, das war die erfolgreichste Party."

Jetzt wurde die breite Straße überquert. Die Gasse begann, rauchig und dunkel. Frauen in Schals und Tweedmützen der Männer eilten vorbei. Männer hingen über den Palisaden; die Kinder spielten in den Hauseingängen. Ein leises Brummen kam aus den kleinen Häuschen. In einigen von ihnen flackerte ein Licht, und ein Schatten bewegte sich krabbenartig über das Fenster. Laura neigte den Kopf und eilte weiter. Sie wünschte sich jetzt, sie hätte einen Mantel angezogen. Wie ihre Kutte glänzte! Und der große Hut mit der Samtborte - wenn es doch nur ein anderer Hut wäre! Sahen die Leute sie an? Das müssen sie. Es war ein Fehler, herzukommen; sie wusste die ganze Zeit, dass es ein Fehler war. Sollte sie jetzt noch einmal zurückgehen?

Nein, zu spät. Das war das Haus. Das muss es sein. Draußen stand ein dunkler Haufen von Menschen. Neben dem Tor saß eine alte, alte Frau mit einer Krücke auf einem Stuhl und beobachtete. Sie hatte ihre Füße auf eine Zeitung gelegt. Die Stimmen verstummten, als Laura sich näherte. Die Gruppe trennte sich. Es war, als hätte man sie erwartet, als hätte man gewusst, dass sie hierher kommen würde.

Laura war furchtbar nervös. Sie warf sich das Samtband über die Schulter und sagte zu einer Frau, die in der Nähe stand: "Ist das das Haus von Mrs. Scott?", woraufhin die Frau mit einem seltsamen Lächeln antwortete: "Ja, mein Mädchen.

Oh, wie schön wäre es, von hier wegzukommen! Sie sagte tatsächlich: "Hilf mir, Gott", als sie den kleinen Pfad hinaufging und anklopfte. Wenn sie nur von diesen starrenden Augen weg wäre, oder wenn sie sich mit irgendetwas zudecken könnte, sogar mit einem dieser Frauenschals. Ich werde einfach den Korb stehen lassen und gehen, beschloss sie. Ich werde nicht einmal darauf warten, dass er geleert wird.

Dann öffnete sich die Tür. Eine kleine, schwarz gekleidete Frau tauchte in der Düsternis auf.

Laura fragte: "Sind Sie Mrs. Scott?" Doch zu ihrem Entsetzen antwortete die Frau: "Kommen Sie bitte herein, Miss", und sie wurde im Gang eingeschlossen.

"Nein", sagte Laura, "ich will nicht reinkommen. Ich will nur diesen Korb hier lassen. Mutter hat ihn geschickt..."

Die kleine Frau in dem düsteren Gang schien sie nicht gehört zu haben. "Kommen Sie bitte hier entlang, Miss", sagte sie mit öliger Stimme, und Laura folgte ihr.

Sie fand sich in einer erbärmlichen, kleinen, niedrigen Küche wieder, die von einer rauchigen Lampe beleuchtet wurde. Dort saß eine Frau vor dem Feuer.

"Em", sagte das kleine Geschöpf, das sie hereingelassen hatte. "Em! Es ist eine junge Dame." Sie drehte sich zu Laura um. Sie sagte bedeutungsvoll: "Ich bin ihre Schwester, Miss. Du entschuldigst sie doch, oder?"

"Oh, aber natürlich!", sagte Laura. "Bitte, bitte störe sie nicht. Ich will nur gehen..."

Doch in diesem Moment drehte sich die Frau am Feuer um. Ihr aufgequollenes, rotes Gesicht mit geschwollenen Augen und geschwollenen Lippen sah schrecklich aus. Sie wirkte, als könne sie nicht verstehen, warum Laura da war. Was hatte das zu bedeuten? Warum stand diese Fremde mit einem Korb in der Küche? Was sollte das alles? Und das arme Gesicht verzog sich wieder.

"In Ordnung, meine Liebe", sagte der andere. "Ich werde der jungen Dame danken."

Und wieder begann sie: "Sie werden sie sicher entschuldigen, Miss", und ihr ebenfalls geschwollenes Gesicht versuchte ein öliges Lächeln.

Laura wollte nur noch weg, weg von hier. Sie war wieder auf dem Gang. Die Tür ging auf. Sie ging geradewegs in das Schlafzimmer, in dem der tote Mann lag.

"Du würdest ihn dir gerne ansehen, nicht wahr?", sagte Em's Schwester und schob sich an Laura vorbei zum Bett. "Keine Angst, mein Mädchen", ihre Stimme klang jetzt liebevoll und verschmitzt, und liebevoll zog sie das Laken herunter, "er sieht aus wie ein Bild. Da gibt es nichts zu sehen. Komm mit, meine Liebe."

Laura kam.

Dort lag ein junger Mann, der fest schlief - so tief und fest, dass er weit, weit weg von ihnen beiden war. Oh, so weit weg, so friedlich. Er träumte. Weck ihn nie wieder auf. Sein Kopf war in das Kissen gesunken, seine Augen waren geschlossen; sie waren blind unter den geschlossenen Lidern. Er gab sich seinem Traum hin. Was bedeuteten ihm schon Gartenpartys, Körbe und Spitzenkittel? Er war weit entfernt von all diesen Dingen. Er war wunderbar, wunderschön. Während sie lachten und die Band spielte, war dieses Wunder in die Gasse gekommen. Glücklich... glücklich.... Alles ist gut, sagte das schlafende Gesicht. Es ist genau so, wie es sein sollte. Ich bin zufrieden.

Aber trotzdem musste man weinen, und sie konnte nicht aus dem Zimmer gehen, ohne etwas zu ihm zu sagen. Laura stieß einen lauten, kindlichen Schluchzer aus.

"Verzeih mir meinen Hut", sagte sie.

Und dieses Mal wartete sie nicht auf Em's Schwester. Sie fand ihren Weg aus der Tür, den Weg hinunter, vorbei an all den dunklen Menschen. An der Ecke der Gasse traf sie auf Laurie.

Er trat aus dem Schatten heraus. "Bist du das, Laura?"

"Ja."

"Mutter hat sich Sorgen gemacht. War alles in Ordnung?"

"Ja, alles in Ordnung. Oh, Laurie!" Sie nahm seinen Arm und drückte sich an ihn.

"Du weinst doch nicht etwa, oder?", fragte ihr Bruder.

Laura schüttelte den Kopf. Doch, sie weinte.

Laurie legte seinen Arm um ihre Schulter. "Du darfst nicht weinen", sagte er mit seiner warmen, liebevollen Stimme. "War es schrecklich?"

"Nein", schluchzte Laura. "Es war einfach wundervoll. Aber Laurie..." Sie hielt inne und sah ihren Bruder an. "Ist das Leben nicht", stammelte sie, "ist das Leben nicht-" Aber was das Leben war, konnte sie nicht erklären. Das macht nichts. Er verstand es ganz genau.

"Ist es nicht so, Liebling?", sagte Laurie. 

(Neuübersetzung: Alle Rechte vorbehalten)

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