Geleitwort


Montag, 14. Februar 2022

Die vier weißen Tage


EINE GESCHICHTE AUS DER SERIE
"DER UNTERGANG LONDONS
von
Fred M. White

Eine Geschichte über London im Griff eines arktischen Winters - und über die Gefahr, die jeder Winter durch Hunger, Kälte und Feuer mit sich bringen kann.

Die vier weißen Tage

I


DER Redakteur von The Daily Chat fragte sich ein wenig, warum er überhaupt ins Büro gekommen war. Das Thermometer war auf 11 Grad gesunken, und es bestand die Aussicht, dass die Temperatur noch vor Tagesanbruch auf Null sinken würde, und man kann eine Morgenzeitung nicht mit Wetterberichten füllen. Außerdem kam aus dem Norden des Trent nichts außer der knappen Information, dass jegliche telegrafische und telefonische Kommunikation darüber hinaus unmöglich war. Es herrschte ein gewaltiger Schneesturm, ein heftiger Schneefall, der durch den schrecklichen Frost und die Stille stark beeinträchtigt wurde.

Morgen - am 25. Januar - würde es eine ziemlich schlechte Zeitung geben, es sei denn, Amerika würde sich seiner Verantwortung bewusst werden und etwas Heißes schicken, mit dem es weitergehen könnte. Die Kabel von Land's End waren oft auf diese Weise verpflichtet. Da war zum Beispiel das nächste Kapitel über den Beef and Bread Trust. Wird Silas X. Brett bei seinem Versuch, die Weltversorgung zu kontrollieren, erfolgreich sein? Dass Brett vor einem Jahr noch ein Pfandleihergehilfe gewesen war, spielte keine Rolle. Dass er sich jederzeit als mittelloser Abenteurer entpuppen könnte, spielte noch weniger eine Rolle. Aus Sicht der Presse war er für drei Kolumnen gut.

Der Chef-"U-Boot" kam herein und blies sich die Finger wund. Die Bemerkung, dass er bis ins Mark erfroren sei, erregte kein besonderes Mitgefühl.

"Das wird morgen ein Leichenfledderer", sagte der Redakteur knapp.

"So ist es", gab Gough fröhlich zu. "Wir haben ein aufregendes Bild von der Themse gezeichnet, die für Schiffe unpassierbar ist - und das könnte nach einer Woche dieses arktischen Wetters auch so sein. Seit Tagen ist kein einziger Kadaver und kein Sack Mehl mehr hereingebracht worden. Unter diesen Umständen haben wir zu Recht eine Brot- und Fleischknappheit prophezeit. Und wir haben uns wie üblich über Silas X. Brett lustig gemacht. Aber trotzdem ist es ein armseliges Zeug."

Der Redakteur dachte, er würde nach Hause gehen. Aber er wartete noch immer auf die Chance, dass etwas auftauchen würde. Es war kurz nach Mitternacht, als er die Andeutung von Aufregung wahrnahm, die im Zimmer des Subredakteurs zu brodeln schien. Draußen waren klappernde Schritte zu hören. Wie von Geisterhand begann der Raum zu summen wie ein Bienenstock.

"Was haben Sie gefunden, Gough?", rief der Redakteur.

Gough kam hereingestürmt, ein Bündel Zettel in der Hand.



"Brett ist geplatzt", keuchte er. "Das ist ein wahrer Glücksfall, Mr. Fisher. Ich habe hier genug, um drei Kolumnen zu schreiben. Brett hat Selbstmord begangen."

Fisher schlüpfte aus seinem Mantel. Alles kommt zu dem Mann, der wartet. Er ließ seine geschulten Augen über die Fetzen gleiten; er konnte sich eine hübsche Ausarbeitung vorstellen.

"Die Gefahr in der Ecke ist vorbei", sagte er später, "aber es bleibt die Tatsache, dass wir immer noch zu wenig Nachschub haben; es gibt nur wenige Versorgungsschiffe auf den Meeren, und selbst wenn sie in der Nähe wären, könnten sie bei all dem Eis nicht in den Hafen einlaufen. Sagen Sie nicht, dass London am Rande einer Hungersnot steht, aber Sie können es erahnen."

Gough blinzelte leicht und zog sich zurück. Eine Stunde später liefen die Pressen auf Hochtouren und husteten. Es gab eine flammende Inhaltsangabe, so dass Fisher schläfrig durch das Schneetreiben am Bedford Square ging, mit dem Gefühl, dass mit der Welt doch nicht so viel los war.

Es war schneidend kalt, der Wind war von Osten aufgekommen, der stahlblaue Himmel der letzten Tage war verschwunden.

Fisher drehte sich vor dem Wind, der seine Seele zu ergreifen schien. Als er zu Hause ankam, zitterte er, als er in der Halle über dem Ofen hing.

"Meine Güte", murmelte er, als er einen Blick auf das Barometer warf. "Seit dem Abendessen ist es um einen halben Zentimeter gefallen. Und oben drauf ein Tief, in dem man liegen könnte. Ich kann mich nicht erinnern, dass London jemals von einem echten Schneesturm heimgesucht wurde, aber jetzt ist er da."

Während er sprach, schüttelte ein Windstoß das Haus wie eine unvernünftige Wut.

II


Es war am Abend des 24. Januar, als der erste heftige Schneesturm über London hinwegfegte. Der klirrende Frost hatte nicht nachgelassen, aber der Wind hatte plötzlich auf Ost gedreht, und fast sofort hatte es zu schneien begonnen. Doch noch gab es keine Anzeichen für das kommende Unheil.

Kurz nach Mitternacht blies der Sturm mit voller Wucht. Der Schnee fiel in so feinem Pulver, dass er kaum wahrnehmbar war, aber allmählich wurde die Masse tiefer, bis sie bei Tagesanbruch etwa achtzehn Zentimeter hoch auf den Straßen lag. Einige der Durchgangsstraßen, die dem Wind zugewandt waren, waren so kahl wie ein frisch geerntetes Feld, in anderen waren die Verwehungen vier oder fünf Fuß hoch.

Ein reißender, brüllender, peitschender Wind wehte noch immer, als der graue Tag hereinbrach. Der feine Schnee klirrte noch immer gegen Glas und Ziegel. Um neun Uhr waren Hunderte von Telefonkabeln gebrochen. Der Schnee und die Kraft des Windes hatten sie regelrecht weggerissen. Soweit man zu diesem Zeitpunkt feststellen konnte, war das Gleiche mit den Telegrafenleitungen geschehen. Um elf Uhr war außer lokalen Briefen nichts zugestellt worden, und die Postbehörden teilten mit, dass keine Telegramme in irgendeine Richtung außerhalb des Radius garantiert werden konnten. Vom Kontinent kam überhaupt nichts mehr.

Dennoch schien es keinen großen Grund zur Beunruhigung zu geben. Der Schnee muss in Kürze aufhören. In der Stadt gab es absolut nichts zu tun, denn drei Viertel der Vorstadtbewohner hatten es bis zwei Uhr nicht geschafft, London zu erreichen. Eine Stunde später wurde allgemein bekannt, dass seit Mittag kein einziger Zug der Hauptstrecke mehr an einem Londoner Kopfbahnhof gehalten hatte.

Tiefe Einschnitte und Tunnel waren durch Schneeverwehungen gleichermaßen unpassierbar geworden.

Aber der Schnee würde bald aufhören; so konnte es nicht weitergehen. Doch als die Dämmerung hereinbrach, fiel er immer noch in demselben grauen, wirbelnden Pulver.

In dieser Nacht war London wie eine Stadt der Toten. Außer dort, wo der Sturm kahle Stellen weggefegt hatte, waren die Verwehungen hoch - so hoch, dass sie in einigen Fällen bis zu den Fenstern im ersten Stock reichten. Es war ein halbherziger Versuch unternommen worden, die Straßen zu räumen, aber nur zwei oder drei Hauptstraßen im Norden und Süden sowie im Osten und Westen waren überhaupt passierbar.

Derweil ließ der klirrende Frost kein bisschen nach. Das Thermometer stand selbst am Vormittag ständig bei 15 Grad unter dem Gefrierpunkt. Die gewöhnliche Tweedkleidung des durchschnittlichen Briten war nicht geeignet, einen solchen Wind abzuhalten. Wäre da nicht der stechende Luftzug gewesen, wäre die Situation vielleicht noch erträglich gewesen. London hatte schon kälteres Wetter erlebt, was die Gradzahl anbelangt, aber noch nie etwas, das so zermürbend war wie dieses. Und immer noch fiel der feine weiße Pulverschnee.

Nach Einbruch der Dunkelheit war der Übergang von einer Hauptstraße zur anderen eine echte Gefahr. Verspätete Nachzügler kämpften sich durch ihre eigenen Straßen, ohne die geringste Ahnung von der Örtlichkeit zu haben, das Blendlicht des Schnees war absolut blendend. In geschützten Ecken hatten die Behörden zur Sicherheit der Polizei und der Bevölkerung lodernde Feuer entzündet. Seit Stunden war kaum ein Fahrzeug auf den Straßen zu sehen.

Am Ende der ersten vierundzwanzig Stunden lag der durchschnittliche Schneefall bei vier Fuß. Enge Straßen waren mit dem weißen Pulver zugeschüttet. Die meisten der Durchgangsstraßen auf der Südseite des Strandes waren nur noch graue Wälle. Hier und da sah man Menschen, die ängstlich aus den oberen Fenstern schauten und um Hilfe winkten. Das war der Anblick, den London bei Tagesanbruch des zweiten Tages bot.

Erst gegen Mittag des 26. Januar hörte der Untergang auf. Sechsunddreißig Stunden lang hatte der Sturm seine Kraft erbarmungslos über London geschleudert. So etwas hatte es seit Menschengedenken nicht gegeben, so etwas ist nicht aufgezeichnet worden. Die dünne Wolkendecke lichtete sich und die Sonne schien auf die strahlende Szenerie herab.

Ein seltsames, stilles, unheimliches London. Eine weiße, menschenleere Stadt mit einem abgehärteten Fußgänger hier und da, der seltsam fehl am Platz aussah in einer Stadt, in der man die üblichen arbeitenden Millionen zu sehen erwartet. Und doch schienen die wenigen Menschen, die hier unterwegs waren, nicht in dieses Bild zu passen. Das Knirschen ihrer Füße auf dem knirschenden Schnee war ein Ärgernis, die dumpfe Heiserkeit ihrer Stimmen ein Ärgernis.

London erwachte unruhig mit dem Gefühl einer kommenden Katastrophe. Gegen Mittag machte der anhaltende Frost den Schnee fest genug für den Verkehr. Der kuriose Anblick von Menschen, die aus ihren Schlafzimmerfenstern kletterten und Schneeberge auf die Straßen hinunterrutschten, war kein Wunder. Was die tägliche Arbeit anging, war das völlig vergessen. Die Londoner verwandelten sich für einmal in Lappländer, deren erster Gedanke Essen und Wärme war.

Soweit man feststellen konnte, war der Gürtel des Schneesturms in einer geraden Linie von etwa dreißig Meilen Breite aus dem Osten gekommen. Jenseits von St. Albans lag nur sehr wenig Schnee, und das Gleiche galt für den Süden ab Redhill. Aber London selbst lag inmitten eines arktischen, eisbedeckten Landes und war für die Außenwelt fast so unzugänglich wie der Nordpol selbst.

Außer den U-Bahnen gab es praktisch keine Antriebskraft, und die meisten Beleuchtungsanlagen waren durch den Sturm beschädigt worden; zu allem Unglück hatte der Frost das Gas angegriffen, so dass London am Abend praktisch im Dunkeln lag.

Aber der große Mangel vieler Tausender war Brennstoff. Kohle gab es an den Werften, aber sie an ihren Bestimmungsort zu bringen, war eine ganz andere Sache. Mit einem leichten Schlitten und einem Pferd konnte man gut über den gefrorenen Schnee gleiten, aber für einen schwer beladenen Wagen wäre das Vorankommen ein absolutes Ding der Unmöglichkeit gewesen. Man hätte vielleicht etwas mit den elektrischen Straßenbahnen machen können, aber alle Oberleitungen waren ausgefallen.

Hinzu kam, dass die großen Getreidewerften entlang der Themse sehr niedrig lagen. Die örtlichen Unternehmer und Kaufleute hatten sich von den Launen des Herrn Silas X. Brett nicht im Geringsten einschüchtern lassen; sie hatten "short" gekauft und waren sich ziemlich sicher, dass ihre Voraussicht früher oder später belohnt werden würde.

Daher hatten sie von der Hand in den Mund gehandelt. Die gleiche Politik verfolgten auch die kleinen "Ringe" von Fleischgroßhändlern, die so ziemlich ganz London mit Fleischnahrung versorgen. Die große Mehrheit der kämpfenden Klassen zahlt die amerikanischen Preise und erhält amerikanische Produkte, von denen täglich eine enorme Menge nachgefragt wird.

Hier war Silas X. Brett wieder aufgetaucht. Wieder hatten sich die Großhändler geweigert, Verträge abzuschließen, außer von Tag zu Tag.

Und das Schlimmste war, dass die Themse - die Hauptverkehrsader für den Nachschub - zum ersten Mal seit Menschengedenken unterhalb von Greenwich mit Eis bedeckt war.

London befand sich in einem Belagerungszustand, der so eng und ergreifend war, als ob eine fremde Armee vor den Toren gestanden hätte. Die Versorgung war unterbrochen, und das sollte noch einige Tage so weitergehen.

Der Preis für Brot stieg schnell auf neun Pence pro Laib, und es war unmöglich, das billigste Fleisch unter zwei Shilling pro Pfund zu kaufen. Speck, Mehl und ähnliche Lebensmittel stiegen im gleichen Verhältnis. Kohle wurde für 2 Pfund pro Tonne angeboten, mit der Auflage, dass der Käufer sie selbst holen musste.

Unterdessen gab es keine ermutigenden Nachrichten von außen - London schien vom Universum abgeschnitten zu sein. Es war so schlimm, wie es nur sein konnte, aber wer nachdenklich war, konnte erkennen, dass noch Schlimmeres folgen würde.

III


Taumelnd durch eine Schneewehe zu einem Schlafzimmerfenster

DER ANSICHT einer Gestalt, die eine Schneewehe hinauf zu einem Schlafzimmerfenster in der Keppel Street taumelte, löste in der Brust eines behäbigen Polizisten keine Verwunderung aus. Das war der einzige Weg, um in einige der Häuser in dieser Gegend zu gelangen. Doch ein Stück weiter waren die Bürgersteige frei und hart.

Außerdem hämmerte die Gestalt gegen das Fenster, und das tun Einbrecher normalerweise nicht. Kurz darauf erwachte der Schläfer im Inneren. Am Schein des Ölofens konnte er erkennen, dass es schon nach zwölf war.

"Ist im Büro etwas schief gelaufen?" murmelte Fisher. "Hängt die Zeitung! Warum sollte man bei diesem Wetter den Chat veröffentlichen?"

Er rollte sich aus dem Bett und öffnete das Fenster. Ein eisiger Luftzug hielt sein Herz für einen Moment wie im Todeskampf gefangen. Gough krabbelte ins Zimmer und beeilte sich, die mörderische Luft auszusperren.

"Fast fünf Grad unter Null", sagte er. "Sie müssen in das Büro kommen, Mr. Fisher."

Fisher zündete das Gas an. Für einen Moment war er in Bewunderung für Goughs Figur versunken. Sein Kopf war in einen Lappen gehüllt, der von einer alten Robbenfelljacke abgerissen war. Er war von Kopf bis Fuß in ein Schafsfell gehüllt, das er kürzlich von einem Tierkadaver abgestreift hatte.

"Das habe ich von einem alten Arktis-Reisenden bekommen", erklärte Gough. "Es ist innen ziemlich fettig, aber es hält diese verderbliche Kälte draußen."

"Ich sagte doch, dass ich heute Abend nicht ins Büro kommen würde", murmelte Fisher. "Dies ist der einzige Ort, an dem ich mich anständig warm halten kann. Eine gute Zeitung nützt uns nichts - wir werden morgen keine fünftausend Exemplare verkaufen."

"Oh doch, das werden wir", fügte Gough eifrig hinzu, "Hampden, der Abgeordnete für East Battersea wartet auf Sie. Eine der cleveren Banden der Stadt hat sich die Kohlevorräte unter den Nagel gerissen. Es gibt etwa eine halbe Million Tonnen in London, aber es gibt keine Aussicht auf mehr in den nächsten Tagen. Die gesamte Menge wurde gestern von einem kleinen Syndikat aufgekauft, und der Preis für morgen ist auf drei Pfund pro Tonne festgelegt - für den Anfang. Hampden ist wütend."

Fisher schaufelte sich hastig seine Kleidung über. Der journalistische Instinkt war geweckt.

An der Tür taumelte Fisher zurück, als ihm die Kälte zu schaffen machte. Mit zwei Mänteln und einem Schal um den Kopf schien die Kälte das Leben aus ihm herauszuziehen. Ein strahlender Mond leuchtete an einem Himmel wie Stahl, die Luft war erfüllt von den feinen Frostnadeln, ein schwerer Raureif überzog Goughs flauschige Brust. Die Gärten am Russell Square waren ein einziger riesiger Hügel, Southampton Row war ein einziges weißes Rohr. Es schien Gough und Fisher, als hätten sie London für sich allein.

Sie sprachen nicht, Sprechen war so gut wie unmöglich. Fisher taumelte in sein Büro und schnappte schließlich nach Brandy. Er erklärte, dass er kein Gefühl mehr habe. Sein Schnurrbart hing schmerzhaft herunter, als ob zwei schwere Diamanten an seinen Enden zerrten. Die schöne, athletische Figur von John Hampden, M.P., lief im Büro auf und ab. Körperliche Schwäche oder Leiden schienen ihm fremd zu sein.

"Ich will, dass Sie es mir dick unter die Nase reiben", rief er. "Machen Sie ein Bild davon im morgigen Chat. Das ist eine exklusive Information, die ich Ihnen gebe. Richtig gehandelt, gibt es in London genug Kohle, um diese Krise zu überwinden. Wenn das nicht geschieht, werden Hunderte von Familien vor Kälte und Hunger sterben. Der Staat sollte die Macht haben, diese Dinge in einer Krise wie dieser zu beschlagnahmen und sie zu einem fairen Preis zu verkaufen - und wenn nötig zu verschenken. Und jetzt haben wir eine Handvoll reicher Männer, die von einer großen öffentlichen Katastrophe profitieren wollen. Ich meine Hayes und Rhys-Smith und diese Leute. Mit denen sind Sie schon einmal aneinandergeraten. Ich möchte, dass Sie die ärmeren Bevölkerungsschichten dazu aufrufen, diesen abscheulichen Frevel nicht hinzunehmen. Ich möchte morgen Nachmittag mit einigen Tausend ehrlichen Arbeitern im Rücken zum Unterhaus gehen und fordern, dass dieses Verbrechen gestoppt wird. Kein Aufruhr, keine Gewalt, wohlgemerkt. Der Arbeiter, der seine Kohlen zentnerweise kauft, wird am schlimmsten dran sein. Wenn es nach mir geht, wird er überhaupt nicht leiden - er wird sich einfach nehmen, was er will."

Fishers Augen leuchteten im Licht der Schlacht. Ihm war jetzt warm und die großzügige Dosis Brandy hatte ihre Wirkung getan. Hier hatte er ein gutes und beliebtes Angebot in der Hand. Das Unglück des Schneesturms, des Schnees und des Frosts war schon schlimm genug, aber das Unglück eines ausbleibenden Kohlevorrats wäre noch schlimmer. Rechtlich gesehen gab es keine Möglichkeit, die Stadtbanditen daran zu hindern, das Beste aus ihrer Beute zu machen. Aber wenn ein paar tausend Arbeiter in London sich entschlossen, Kohle zu haben, konnte sie nichts daran hindern.

"Ich werde mein Bestes tun", rief Fisher aus. "Ich werde meinen Mantel für den Job ausziehen - im übertragenen Sinne, versteht sich. Morgen dürfte es eine spannende Nachmittagssitzung des Parlaments geben. Im Großen und Ganzen bin ich froh, dass Gough mich rausgezerrt hat."

Der Chat kam etwas zu spät in den Druck, aber da so etwas wie eine Landausgabe nicht möglich war, machte das wenig aus, und Fisher und Gough hatten das Beste aus ihrer Chance gemacht. Die Ohren der Firma Hayes Co. dürften morgen früh über den Chat kribbeln.

Fisher beendete die Arbeit schließlich mit einem Seufzer der Zufriedenheit. Eingemummelt in seinen Mantel und seinen Schal ging er hinunter auf die Straße. Die Kälte schlug stärker zu als je zuvor. Ein verspäteter Polizist, der so ausgehungert war, dass er fast seiner Sinne beraubt war, bat um Brandy - irgendetwas, um den erfrorenen Körper und die Seele zusammenzuhalten. Gough, sicher in seinem grotesken Schafspelz, war bereits die Straße hinunter verschwunden.

"Kommen Sie herein", keuchte Fisher. "Es ist furchtbar. Ich wollte nach Hause gehen, aber ich schwöre, ich wage es nicht. Ich werde heute Nacht vor dem Kamin meines Büros schlafen."

Der Mann in Blau taute langsam auf. Seine Zähne klapperten, sein Gesicht war grauenhaft blau.

"Und ich werde auch um eine Unterkunft betteln, Sir", sagte er. "Ich werde aus der Truppe rausgeschmissen werden. Ich werde meine Pension verlieren. Aber was nützt einem Offizier eine Pension, wenn er erfroren am Strand aufgegriffen wird?"

"Das ist logisch", sagte Fisher schläfrig. "Und was die Einbrecher angeht..."

"Einbrecher! In einer Nacht wie dieser! Ich wünschte, die Straßen von London wären immer so sicher. Wenn es mir erlaubt wäre, das Feuer zu machen, Sir..."

Aber Fisher schlief bereits, dicht an den Kotflügel gelehnt.

IV


Der unangenehme Eindruck, den das Chat-Special hinterlassen hatte, bestätigte sich am nächsten Morgen. An den Kais war keine Kohle unter drei Shilling pro Zentner erhältlich. Einige der ärmeren Bevölkerungsschichten kauften zu diesem Preis, aber die Mehrheit wandte sich enttäuscht ab und murmelte Rachegedanken.

Egal, welchen Weg sie einschlugen, sie wurden von der gleichen Geschichte heimgesucht. Am King's Cross, in Euston, St. Pancras und in der Caledonian Road wurde die stereotype Antwort gegeben. Die Situation war plötzlich gefährlich und kritisch geworden. Der mürrische, groteske Strom floss nach Westen zurück und bewegte sich auf den Trafalgar Square zu. Es wurden viele Schafsfelle getragen, denn Goughs Idee war populär geworden.

Auf mysteriöse Weise hatte sich herumgesprochen, dass John Hampden eine Massenversammlung abhalten würde. Um halb zwei waren der Trafalgar Square und die Zufahrten dorthin überfüllt.

Wenig später erschien Hampden. Es gab nur wenig Jubel oder Begeisterung, denn es war zu kalt. Die Menge hatte keine Lust zu randalieren, sie wollten nur, dass der Volkstribun ihnen einen Weg aufzeigte, wie sie zu einem vernünftigen Preis an Kohle kommen konnten - ihr einziges großes Bedürfnis.

Auch Hampden war auffallend ruhig und zurückhaltend. Es gab nichts von der Wildheit, die normalerweise seine Redekunst begleitet. Er riet zu Ruhe und Besonnenheit. Er versprach der riesigen Versammlung, dass er noch vor der Nacht einen Weg aufzeigen würde, um an die Kohle zu kommen. Alles, was er brauchte, war eine große, geordnete Menschenmenge vor St. Stephen's, wo er fast sofort die Minister zu der gegenwärtigen Krise befragen wollte. Es stand eine Frage auf dem Papier, die er dem Präsidenten des Board of Trade privat mitgeteilt hatte. Wenn nichts dabei herauskäme, würde er wissen, was zu tun sei.

Mehr gab es nicht zu sagen, aber das war auch nicht wichtig. Eine Stunde später hatte sich eine dichte Masse von Männern um St. Stephen's versammelt. Aber sie waren grimmig, schweigsam und ordnungsliebend.

Für eine gewöhnliche Nachmittagssitzung war das Haus überdurchschnittlich voll. Als das Licht auf das kantige, harte Gesicht von John Hampden fiel, wurde ein langweiliger Langweiler, der über ein allgegenwärtiges Thema schwadronierte, niedergeschrien. Eine Minute später erhob sich Hampden.

Er brachte seine Frage klar und deutlich auf den Punkt. Dann drehte er sich um und wandte sich den bescheiden zurückhaltenden Gestalten von Mr. John Hayes und seinem Kollegen Rhys-Smith zu, die sich zehn Minuten lang unter der Peitsche seiner bitteren Beschimpfungen krümmten. Soweit er der sehr vagen Antwort des Vertreters des Board of Trade entnehmen konnte, war die Regierung in dieser Angelegenheit machtlos. Eine Bande von Finanziers hatte sich bewusst dafür entschieden, aus dem großen Unglück, das London heimgesucht hatte, Geld in ihre Taschen zu stecken. Es sei denn, das neue Syndikat sah seinen Weg, sich der öffentlichen Meinung zu beugen.

"Es ist ein Geschäft", stammelte Hayes. "Wir werden nicht nachgeben. Wenn die Regierung den ärmeren Schichten einen Zuschuss gewähren will..."

Ein Aufschrei der Wut übertönte den Satz. Alle Teile des Hauses nahmen an der hitzigen Demonstration teil. Die einzigen beiden kühlen Köpfe waren der Speaker und John Hampden. Der Erste Lord erhob sich, um Öl in die aufgewühlten Gewässer zu gießen.

"Es gibt einen Ausweg", sagte er schließlich. "Wir können ein kurzes Gesetz verabschieden, das dem Parlament die Befugnis gibt, angesichts von Krisen wie dieser alle Brennstoffe und Vorräte für das öffentliche Wohl zu erwerben. So wurde es auch bei dem Dynamitgesetz gemacht. In zwei Tagen stünde das Gesetz im Statutenbuch..."

"Und in der Zwischenzeit werden die ärmeren Klassen eingefroren", rief Hampden. "Der Vorsitzende des Hauses hat sein Bestes getan, er wird dafür sorgen, dass die Vorlage Gesetz wird. Nach heute Abend werden die Arbeiter in London bereit sein, zu warten, bis das Gesetz ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Vorräte zu beziehen, ohne Strafen befürchten zu müssen. Aber eine Menschenmenge wie die da draußen kann man nicht bestrafen. Ich werde der Welt zeigen, was ein paar tausend entschlossene Männer erreichen können. Wenn die beiden Abgeordneten gegenüber neugierig sind und sehen wollen, wie das geht, können sie mich gerne begleiten, und ich werde ihnen eine persönliche Sicherheitsgarantie geben."

Er streckte dem Haus die Hand entgegen, verließ seinen Platz und ging hinaus. Hayes erhob sich, um zu sprechen, aber niemand hörte ihm zu. Die dramatische Episode war zu Ende, und Hampden hatte eine weitere versprochen. Innerhalb weniger Minuten war das Haus leer. Draußen war die dichte Masse der schweigenden, geduldigen, zitternden Menschheit.

"Ein wunderbarer Mann, Hampden", flüsterte der First Lord dem Präsidenten des Board of Trade zu, "ich frage mich, was er jetzt vorhat. Wenn diese Leute dort drüben nur ihre Macht kennen würden! Dann hätte ich mehr Muße."

V


AUSSERHALB des Hauses wartete eine große Menge von Männern schweigend, grimmig und entschlossen auf Hampden. Ein tiefes Gemurmel ging durch die Menge, als die Vorderen in Hampdens Gesicht ablesen konnten, dass er mit seiner Diplomatie gescheitert war.

Sein hartnäckiger Kiefer war noch fester, wenn überhaupt möglich, und in seinen tiefliegenden Augen glitzerte es. Die gierigen Kapitalisten wollten also ihr Pfund Fleisch haben, sie schämten sich nicht, sich am öffentlichen Unglück zu bereichern.

Hampden stand dort am Geländer...

Hampden stand dort am Geländer von Palace Yard und erklärte alles in einer kurzen, knappen Rede.

Nur diejenigen, die Kohle brauchten, waren anwesend. Aber es würden morgen und übermorgen und so weiter weitere kommen. Dann sollen sie gehen und sie sich holen. Die Sache muss absolut geordnet ablaufen. In King's Cross, Euston, St. Pancras und in der Caledonian Road gab es riesige Vorräte, die ausreichten, um ein paar Zentner pro Kopf zu liefern und viel für den Bedarf der anderen übrig zu lassen. Lassen Sie sie gehen und es nehmen. Lassen Sie jeden Mann darauf bestehen, einen Beleg zurückzulassen, der bestätigt, dass er so viel mitgenommen hat, oder, wenn er das Geld hat, legen Sie es an Ort und Stelle zum üblichen Wintertarif pro Zentner ab. Die Methode wäre eine grobe Faustregel, aber sie wäre eine Garantie für Ehrlichkeit und Seriosität. Es gab nur wenige Militärs in London, und gegen eine solche Truppe wäre die Polizei völlig machtlos. Es sollte eine unblutige Revolution werden und eine Rechtfertigung der Rechte der Menschen.

Ein Constable trat vor und berührte Hampden an der Schulter. Die meisten der Anwesenden wussten, was geschehen war. Hampden war verhaftet worden, weil er den Mob zu einer illegalen Handlung angestiftet hatte. Er lächelte grimmig. Immerhin musste das Gesetz respektiert werden. Ohne das geringste Anzeichen von Feindseligkeit entfernte sich die große Masse der Menschen. Einmütig wandten sie ihre Gesichter nach Norden. Der nordwestliche Bezirk sollte eingenommen werden.

"Ein Fall für die Kaution, nehme ich an?" fragte Hampden barsch.

"Unter bestimmten Bedingungen, Sir", sagte der Inspektor. "Ich werde Sie formell anklagen müssen und Sie müssen versprechen, sich nicht weiter an der Sache zu beteiligen."

Hampden versprach dies bereitwillig. Er hatte seinen Teil der Arbeit erledigt, so dass der Rest nicht mehr ins Gewicht fiel. Er sah jetzt müde und erschöpft aus, was auch gut so war, denn er hatte die ganze Nacht mit einigen Vertretern der Arbeiterschaft an der Planung dieser Sache gesessen. Er machte eine Bemerkung zu Fisher, der daneben stand und in Gedanken das große Ereignis fotografierte.

Dann wandte er sich eifrig an Hampden: "Ich will alle Einzelheiten wissen", sagte er. "Ich war nicht so dumm, diese Sache als ganz spontan anzusehen. Sie müssen wie ein Pferd gearbeitet haben."

"Das haben wir", gab Hampden zu. "Tatsache ist, dass die Gefahren, die den Londonern drohen könnten, seit langem eine meiner liebsten spekulativen Studien sind. Und wenn so etwas passiert - sei es eine Hungersnot, eine Überschwemmung oder ein arktischer Winter - dann sind wir mit Sicherheit das Ziel des gierigen Kapitalisten. Und ich wusste, dass die Regierung machtlos sein würde. Brennstoff, oder der Mangel daran, war eine der ersten Ideen, die mir in den Sinn kamen. Ich fand heraus, wo die großen Vorräte gelagert wurden und wie hoch die normalen Bestände sind. Ich habe diese Zahlen in eine Schublade gesteckt. Sie können sich vorstellen, wie nützlich sie gestern Abend waren. Es sind etwa zweihundert Gewerkschaftsfunktionäre bei dem geordneten Haufen da drüben, und jeder von ihnen weiß genau, wo er hin muss. Es wird nur sehr wenig Gedränge, Aufruhr oder Verwirrung geben. Und bevor es dunkel wird, hat jeder seine Kohle."

Fisher verfolgte das Geschehen mit größtem Interesse.

"Dann werden Sie den Rest Ihren Leutnants überlassen?", fragte er.

"Ich bin dazu verpflichtet. In ein paar Minuten werde ich mich auf den Weg zur Bow Street machen. Anstiftung zu einem Raubüberfall, wissen Sie. Nein, es gibt keinen Grund zur Sorge - hundert Männer hier werden bereit sein, für mich zu bürgen. Wenn ich Sie wäre, wäre ich um diese Zeit schon irgendwo in der Nähe von King's Cross.

Fisher nickte und zwinkerte, während er seinen Schafspelz über sich zog. Er trug ein Paar groteske alte Kavallerieschuhe, deren Spitzen mit Watte ausgestopft waren. Eine große Wollhaube, wie sie alte Hochlandfrauen tragen, bedeckte seinen Kopf und seine Ohren. Viele Gesetzgeber waren ähnlich gekleidet, aber niemand lachte und niemand schien den Humor der Situation auch nur im Geringsten zu verstehen.

"Kommen Sie", sagte Fisher zu Gough, der versuchte, seine Nasenspitze mit einer großen Zigarre zu wärmen. "Es ist schade, dass wir das ganze Album für eine Zeitung verschwenden, die keine Auflage hat."

"Was sollte bei diesem Frost eine Auflage haben?" knurrte Gough. "Wie menschenleer der Ort ist! Der Gedanke, dass ein Mann am helllichten Tag auf dem Trafalgar Square hinfallen und erfrieren könnte, ist erschütternd, aber so ist es. Ich hoffe, die Einsamkeit geht mir nicht auf die Nerven."

Gough fröstelte, als er seinen Schafspelz enger um sich zog.

"Das wird ein Albtraum", sagte er. "Bald werden wir uns mit Eisbären herumschlagen müssen. Das ist mir nicht gesellig genug. Lassen Sie uns in die Richtung gehen, in der Hampdens Freunde sind."

VI


In der Zwischenzeit drängte die riesige Menge der Londoner Arbeiter immer weiter nach Norden. Es gab Hunderte von Wagen ohne Räder, was das Vorankommen zwangsläufig behinderte, aber auf lange Sicht Zeit sparen würde, denn es gab bis zu einem Dutzend pro Wagen, da verschiedene Nachbarn nach dem System der Zusammenarbeit arbeiteten.

Allmählich begann die Truppe zu brechen und sich in bestimmte Richtungen zu bewegen. Sie wurde wie eine Armee, die über eine Vielzahl von Wegen auf bestimmte Punkte zu marschiert. Es war ziemlich bekannt, dass es unter der Menge ein paar hundert Männer gab, die genau wussten, wohin sie gehen mussten und die Anweisungen für bestimmte schmutzige Ziele hatten.

Sie brachen nun in alle Richtungen auf, ruhig, gleichmäßig und entschlossen, und deckten ein großes Gebiet von der Caledonian Road bis Euston und von Finsbury Park bis King's Cross ab. Sie waren so ruhig und geordnet, dass nur das Knirschen des Schnees und das schwere Atmen zu hören war.

In der Nähe der Euston Station gab es das erste Anzeichen von Widerstand. Ein Aufgebot von achtzig Polizisten versperrte den Weg. Der Mob kam näher. Es gab kein heißes Blut, nur grimmige Entschlossenheit mit einer Prise sardonischen Humors darin. Ein oder zwei Köpfe wurden von den prügelnden Stäben gebrochen, aber die Chancen waren zu groß. Innerhalb von fünf Minuten war das gesamte Aufgebot an Constables entwaffnet, mit ihren eigenen Handschellen gesichert und als ehrenvolle Kriegsgefangene mitgenommen. Vielleicht waren ihre Sympathien auf der Seite des Mobs, denn sie lieferten sich keinen so schönen Kampf, wie es normalerweise der Fall ist.

Oben an der King's Cross Station hatte sich eine noch größere Anzahl von Polizisten versammelt, und hier gab es ein beträchtliches Blutvergießen. Aber es waren Tausende von Männern in unmittelbarer Nähe des Kampfes, und die weiße Stille des Platzes wurde schwarz von schwankenden Gestalten und dem Lärm des Aufruhrs, der weithin getragen wurde. Schließlich wurden die Polizisten zurückgeschlagen, zwischen zwei weit überlegenen Kräften eingeklemmt und ergaben sich nach Belieben.

Der Sieg war leichter, als es schien, denn die Polizisten hatten offensichtlich kein Herz für die Arbeit, die vor ihnen lag. Nicht wenige von ihnen dachten an ihre eigenen Feuerstellen und daran, dass sie in den Reihen ihrer Widersacher besser aufgehoben wären.

In der Zwischenzeit wurden viele der lokalen Gemeinden dazu gedrängt, das Militär zu mobilisieren. Einmütig lehnten sie dies ab. Es war der psychologische Moment, in dem ein Hauch von Natur die ganze Welt gleich macht. Im Unterhaus zog es der Kriegsminister auf den verzweifelten Appell von Hayes und seinem Partner hin kühl vor, nicht eingreifen zu können, es sei denn, der Bürgermeister dieser oder jener Gemeinde würde nach der Verlesung des Riot Act um Hilfe bitten. Die Angelegenheit lag in den Händen der Polizei, die wissen würde, wie sie in einem Notfall zu handeln hatte.

Im Eifer des Gefechts und gutmütig gedrängt, fanden sich Fisher und sein Kollege schließlich hinter zwei riesigen Toren wieder, die in einen Hof gleich hinter der Euston Station führten. Dort gab es eine große quadratische Fläche und dahinter drei kleine Berge von Kohle, die alle sorgfältig auf die übliche Weise gestapelt waren. Angesichts dieses willkommenen Anblicks brach die sture Haltung der zweitausend Männer, die den Hof überfallen hatten, zusammen. Sie warfen die Hände hoch, lachten und jubelten. Sie stürmten das Büro des großen Kohleunternehmens, dem der ganze schwarze Reichtum angeblich gehörte, und zerrten die Angestellten in den Hof. Von hinten hörte man das Krachen und Rattern der radlosen Karren, die vorwärts geschleppt wurden.

"Es gibt keinen Grund, Angst zu haben", erklärte der Mann, der das Kommando hatte. "Wir sind hier, um die Kohle zu kaufen, einen oder zwei oder drei Zentner für jeden, je nachdem, und Sie können Ihr Geld in bar oder in Gutscheinen haben, wie Sie wollen. Aber wir werden das Zeug haben und vergessen Sie das nicht. Stellen Sie sich einfach an die Tore und sehen Sie uns an. Sie werden ein wenig raten müssen, aber das ist kein Verlust für Sie. Und der Preis beträgt achtzehn Pence pro Zentner."

Die drei Angestellten grinsten unbehaglich. Im selben Moment spielte sich in über hundert anderen Zechen die gleiche seltsame Szene ab. Drei- oder vierhundert Männer schwärmten bereits über den großen Hügel, es krachte und schepperte, als die riesigen Blöcke herunterfielen, die Luft war erfüllt von einem schmutzigen, körnigen Schwarzpulver, und bald war jedes Gesicht schwarz davon.

Schon bald strömte ein stetiger Strom aus dem Radius der Kohlenschornsteine. Ein großer Strom von Kohlekarren fuhr knirschend über den harten, gefrorenen Schnee, gezogen von einem, zwei oder drei Männern, je nachdem, wie schwer die Ladung war oder wie viele mitgemacht hatten, und während sie weiterfuhren, sangen und schrien sie in ihrem Sieg. Es war unordentlich, es war falsch, es war ein direkter Verstoß gegen das Gesetz, aber der Mensch macht Gesetze für den Menschen.

Gough und Fisher fuhren parallel zur Euston Road und fanden sich plötzlich inmitten eines aufgeregten Mobs wieder. Die Türen einer Werft waren eingeschlagen worden, aber in der Mitte des Hofes stand ein entschlossener Haufen von Männern, die einen Schlauch an einer der Wasserleitungen befestigt hatten und den Plünderern mit heftigen Beschimpfungen die Stirn boten. Einen Moment lang gab es eine Pause. Die Vorstellung, von Kopf bis Fuß durchnässt zu sein, während das Thermometer gegen Null tendierte, war entsetzlich. Diese Männer hätten sich dem Feuer gestellt, aber der andere Tod, denn der würde den Tod bedeuten, war schrecklich.

Ein entschlossener Haufen von Männern

"Will der Kerl etwa ermordet werden?" rief Fisher aus. "Wenn er das tut, werden sie ihn in Stücke reißen. Sind Sie verrückt, Sir?"

Er drängte sich impulsiv vor. Der Mann mit dem Schlauch missverstand seine Absicht und drehte den Hahn kräftig auf. Ein Heulen der Wut folgte. Aber es fehlte der dramatische Touch, kein einziger Tropfen Wasser kam. Ein plötzlicher Lachanfall kam gerade noch rechtzeitig, um das Leben des Amateurfeuerwehrmannes zu retten.

"Das Wasser ist in den Leitungen eingefroren", rief eine Stimme.

Es war genau so, wie die Stimme sagte. Im Nu wurde alles wieder alltäglich. Fisher war sehr ernst, als er wegging.

"Das ist eine Katastrophe für sich", sagte er. "Das Wasser ist in den Leitungen eingefroren! Morgen um diese Zeit wird es keinen einzigen Tropfen mehr geben."
VII

Am nächsten Tag fand im Parlament eine heiße Debatte statt. Das Kriegsrecht für London war vorgeschlagen worden. Es war eine Chance für die Handvoll Spinner und Spinnerinnen, nicht vernachlässigt zu werden. Es war ein Eingriff in die Freiheit des Subjekts und den ganzen Rest davon. Die Debatte war um zehn Uhr noch im Gange, als Fisher träge auf die Pressetribüne zurückkehrte. Um elf sprach immer noch einer der Langweiler. Plötzlich ging ein elektrischer Schauer durch das Haus.

Der langweilige Redner hielt inne - vielleicht war er seiner selbst ein wenig überdrüssig geworden. Etwas Dramatisches war geschehen. Es herrschte die merkwürdige gespannte Atmosphäre, die ein Anspannen der Brust und ein Festhalten der Kehle verursacht, bevor die eigentliche Erkenntnis kommt. Ohne Rücksicht auf den Anstand stellte sich ein Mitglied hinter den Stuhl des Parlamentspräsidenten und rief laut:

"Das Hotel Cecil brennt!", rief er. "Es brennt lichterloh!"

Fisher stürzte von der Galerie in den Hof. Selbst der langweilige Demosthenes brach mitten in seiner Rede zusammen und verließ fluchtartig das Haus. Es gab keinen Anlass, irgendjemandem zu sagen, was das Ausmaß der Katastrophe bedeutete. Jeder wusste, dass die Feuerwehr angesichts einer solchen Katastrophe nutzlos sein würde.

Am Strand und an den Zufahrten dazu, am Ufer und auf den Brücken hatte sich eine dichte Masse von Menschen versammelt. Sie waren in alle möglichen seltsamen und grotesken Kleidungsstücke gehüllt, aber die schneidende Kälte schien sie nicht zu stören.

Am Strand war es so hell wie der Tag. Eine riesige Säule roter und weißer Flammen schoss weit in den Himmel, das stetige Tosen des Feuers war wie die Brandung an einem steinigen Strand. Es gab ein ständiges Knistern wie bei Musketenfeuer.

Das prächtige Hotel, eines der kühnsten und markantesten Merkmale des Strandes und des Themseufers, war dem Untergang geweiht. Ab und zu flatterte der Funkenregen und erfasste das angrenzende Gebälk, aber alle Dächer ringsum waren mit Feuerwehrleuten besetzt, die die Flammen sofort auslöschten. Tonnen von Schnee wurden über die Feuerleitern und mit Hilfe von eilig herbeigeschafften Seilzügen nach oben befördert, so dass die angrenzenden Gebäude allmählich feucht und kühl wurden. Ohne diese gnädige Anwesenheit des Schnees wäre die Südseite des Strandes von der Wellington Street bis zum Charing Cross vielleicht in die Geschichte eingegangen.

So wie es jetzt aussah, war die große Katastrophe abgewendet, wenn nicht etwas völlig Unvorhergesehenes geschah. Für die Feuerwehrleute gab es noch viel zu tun.

"Gehen wir zurück ins Büro", sagte Fisher mit klappernden Zähnen. "Ich würde mein Königreich für ein bisschen heißen Brandy verkaufen. Ich hoffe, auf den nächsten Schneesturm sind wir besser vorbereitet. Ich nehme an, in den Staaten würde man sich nichts daraus machen. Und wir haben diesseits von Edinburgh nicht einen einzigen Schneepflug, der diesen Namen verdient."

"Wir sind auf nichts vorbereitet", brummte Gough. "Wenn es heute Nacht einen Wind gegeben hätte, hätte nichts den Strand retten können. Die Katastrophe kann sich wiederholen; es wird sicher ein Feuer geben, ein halbes Dutzend Feuer, bevor der Tag anbricht. Bei einer steifen Brise, wo wäre London dann? Es wird einem schwindlig, wenn man daran denkt."

Gough sagte nichts. Es war zu kalt, um auch nur zu denken. Allmählich tauten die beiden vor dem Feuer im Büro auf. Ein träges U-Boot kam mit einem Stapel Fliegenfänger herein. Genauso träge drehte Gough sie um. Seine Augen funkelten.

"Meine Güte", keuchte er. "Ich hoffe, das ist wahr. In New York gibt es seit zwei Tagen eine Sintflut. Wir müssen uns auf starke Westwinde und ein tiefes Tief einstellen..."

Die nächsten zwei Stunden saß Fisher über seinen Schreibtisch gebeugt. Der Raum schien wärmer zu sein. Vielleicht war es der Brandy. Er zog seinen Schafspelz aus und dann seinen Mantel darunter. Auf seiner Stirn bildete sich eine kleine Perle aus Feuchtigkeit. Er zog sich ein wenig weiter vom Feuer zurück. Er fühlte sich erdrückend und schwach, ein Verlangen nach Luft überkam ihn.

Ein wenig an seinem eigenen Zustand zweifelnd, öffnete er fast schamhaft das Fenster. Die Luft war kalt und frisch und belebte ihn, aber es war nicht die stählerne, polierte, mörderische Luft der letzten Tage. Jemand, der unten über den Schnee ging, rutschte mit einem eigenartigen, aufgeweichten Geräusch aus.

Fisher reckte seinen Kopf aus dem Fenster. Etwas Feuchtes fiel ihm in den Nacken. Er schrie fast hysterisch nach Gough. Auch Gough hatte seinen Mantel nicht mehr an.

"Ich dachte, es wäre schick", sagte er unsicher.

Fisher antwortete nichts. Die Anspannung war verflogen, er atmete frei. Und draußen tropfte die ganze weiße, stille Welt, tropfte, tropfte...

ENDE

(Neuübersetzung: Alle Rechte vorbehalten)

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