Geleitwort


Donnerstag, 10. Februar 2022

DER HÜTER VON CADEMUIR

Von

John Buchan


Der Wildhüter von Cademuir schritt gemächlich über die grüne Seite des Hügels. Der helle, kühle Morgen war vorbei, und die Hitze hatte schon fast begonnen. Aber er hatte sich lange hingelegt, weil er der Meinung war, dass das Leben im besten Fall zu kurz sei und man es nicht überstürzen müsse. Er war ein Mann mit einem kühnen Wagen und der unbeschreiblichen Ausstrahlung eines Mannes, dessen Leben mit Sport und rauen Mooren verbunden ist. Ein ruhiges graues Auge und ein sauberes Kinn waren seine besten Eigenschaften. Ansonsten war er ein ganz normaler Mann, der weder für das Gute noch für das Böse in irgendeinem hohen Maße geboren war. Das Sonnenlicht tanzte um ihn herum und flackerte durch das Gestrüpp, und obwohl es ein alltäglicher Anblick für ihn war, freute er sich und fühlte sich fröhlich wie jedes wilde Tier an einem hellen Tag. Hätte er seinen Hund dabei gehabt, hätte er ihn beschimpft, um seine Freude zu zeigen; so aber begnügte er sich damit, 'The Linton Ploughman' zu pfeifen und seine Fersen tief in das weiche grüne Moos zu setzen.

Der Tag war früh und der Weg weit, denn er hatte vor, wegen einiger Füchse das Manor Water hinauf zum Haus des Schafhirten zu gehen. Es mochten zehn Meilen sein, vielleicht auch mehr, und der Hüter hatte es nicht besonders eilig, denn er hatte genügend Zeit, um sein Abendessen zu sich zu nehmen, mit der Herde eine Zigarette zu rauchen und dann in der Kühle des Abends zurückzukehren, denn es war Sommerzeit, in der Männer seines Standes ihren Urlaub haben. Noch zwei Meilen und er würde auf den Highway stoßen. Er konnte schon sehen, wie er sich hinter den geraden Hängen der Schlucht schlängelte. Dort war es leicht zu gehen, und er würde schnell vorankommen; aber jetzt konnte er sich Zeit lassen. Also zündete er seine Pfeife an und sah sich zufrieden um.

An der Biegung des Hügels, wo ein Waldstreifen den Hang hinaufführt, blieb er stehen, und ein dunkler Schatten legte sich auf sein Gesicht. Dies war der Ort, an dem er vor nicht einmal zwei Wochen einen Wilderer gejagt hatte, und wenn der Kerl sich nicht so geschickt verdoppelt hätte, hätte er ihn auch erwischt. Er verfluchte den ganzen Stamm in seinem Herzen. Sie waren der Fluch seines einfachen Lebens. Sie kamen nachts und holten ihn auf den kahlen Hügeln, wenn er eigentlich in seinem Bett liegen sollte. Vielleicht haben sie dort auch jetzt noch eine Kutsche. Er würde hingehen und nachsehen, denn es war keine zweihundert Meter von seinem Weg entfernt.

Also kletterte er den kleinen Hügel neben dem Tannenwald hinauf, wo die langen Binsendickichte und die Kaninchenstauden ein gutes Jagdrevier für die Feinde des Gesetzes bildeten. Eine oder zwei Schnepfen flogen auf, als er sich näherte, und eine Legion von Kaninchen huschte in ihre Löcher. Er hatte die Suche schon fast aufgegeben, als das Schimmern von etwas im langen Gras seine Aufmerksamkeit erregte, und im Handumdrehen hatte er das Kraut zurückgeschoben und eine sauber gesetzte und gut konstruierte Falle freigelegt.

Es war eine sehr bewundernswerte Falle. So eine hatte er noch nie gesehen. In einer Art wütendem Jubel, als er daran dachte, wie er dieses schöne Wild verderben würde, kniete er nieder, um sie zu untersuchen. Es war keine einfache Laufschlinge, sondern aus starkem Stahl und fest am Stamm eines alten Baumes befestigt. Kein unglücklicher Fasan würde es je bewegen, wenn sich seine Füße einmal in den starken Zähnen verfangen hätten. Er befühlte das Eisen mit der Hand, tastete an den Seiten nach der Feder, als sich das Ding plötzlich mit einem fürchterlichen Schnauzen um ihn schloss und seine Hand unterhalb des Mittelfingers einklemmte, und er war machtlos.

Der Schmerz war schrecklich, quälend. Seine Hand brannte wie weißes Feuer, und jeder Nerv seines Körpers kribbelte. Mit der linken Hand versuchte er, es zu lösen, aber die Feder war so gut versteckt, dass er sie nicht finden konnte. Vielleicht hatte er auch den Verstand verloren, denn bei großem Leid ist der Verstand nur selten klar. Nach ein paar Minuten kraftlosen Suchens und Ziehens, bei dem jede Bewegung seiner gefangenen Hand zur Qual wurde, gab er es auf und suchte in einer Art Panik nach seinem Messer, um zu versuchen, die Kutsche aus dem Stamm zu schneiden. Und nun erwartete ihn ein neuer Schrecken, denn er stellte fest, dass er kein Messer hatte; er hatte es in einem anderen Mantel gelassen, der sich in seinem Zimmer zu Hause befand. Mit einem Seufzer unendlichen Schmerzes stellte er die Suche ein und starrte trübsinnig vor sich hin.

Er betrachtete verwirrt seine Lage. Er war ohne jede Möglichkeit zu entkommen, etwa zwei Meilen von der Spur eines zufälligen Passanten entfernt. Zu Hause würde man erst am Abend nach ihm suchen, und der Hirte in Manor wusste nichts von seiner Ankunft. Vielleicht war jemand auf dem Hügel, aber dieser Howe lag auf einer abgelegenen Seite, wo nur wenige hinkamen, es sei denn, ihre Pflicht führte sie hin. Unter ihm im Tal verlief die Straße mit ein paar weißen Häusern daneben. In diesen Häusern lebten Frauen, die nicht weit von ihm entfernt wohnten und sich bewegten; sie könnten ihn sehen, wenn er etwas als Signal winken würde. Aber dann dachte er mit einem Seufzer daran, dass er zwar ihre Behausungen sehen konnte, aber sie konnten ihn nicht sehen, denn er war durch die Schulter des Hügels verborgen.

Noch einmal machte er einen verzweifelten Versuch zu entkommen, aber es war erfolglos. Dann lehnte er sich ins Heidekraut zurück und biss sich auf die Lippen, um die Qualen der Wunde zu ertragen. Er war ein starker Mensch, breit und sehnig, und wo ein Schwächerer in Ohnmacht gefallen wäre, musste er die Last eines schmerzhaften Bewusstseins ertragen. Wieder dachte er an Flucht. Der Mann, der die Falle gestellt hatte, musste kommen, um es zu sehen, aber vielleicht nicht an diesem Tag und auch nicht am nächsten. Er stellte sich seine Freunde vor, wie sie Manor Water auf und ab jagten, jeden Tümpel und jedes Wäldchen, vorbei und wieder vorbei, keine zweihundert Meter von dem Ort entfernt, an dem er tot oder schlimmer als tot lag. Ihm wurde übel bei dem Gedanken, und er wäre trotz seiner Kräfte fast in Ohnmacht gefallen.

Dann verfiel er in eine Panik, den Schrecken der rauen 'harten Männer, die sich nie den Kopf zerbrechen'. Sein Gehirn wirbelte durcheinander, seine Augen starrten und ein Schauer durchlief ihn wie ein Schilfrohr. Er grübelte über sein bisheriges Leben nach und hatte das dumpfe Gefühl, dass es nicht so gewesen war, wie es sein sollte. Er war oft betrunken gewesen; er hatte den Namen des Allmächtigen nicht allzu gut gehütet; war dies nicht eine Art Vergeltung? Er bemühte sich zu beten, aber ihm fielen keine Worte ein. Letzten Sonntag war er in der Kirche gewesen, und er versuchte sich zu erinnern, was er gehört hatte. Aber so sehr er sich auch bemühte, es fiel ihm nichts anderes ein als der Refrain eines Trinkliedes, das er oft in der Kneipe in Peebles hatte singen hören:

Wenn die Hütte brummt,
ist es an der Zeit zu verschwinden;
Denn wir haben uns immer an die Vorsehung geklammert,
Und das werden wir auch weiterhin.

Die Ironie der Worte fiel ihm nicht auf, aber er wiederholte sie inbrünstig und fieberhaft, als ginge es um den Preis seiner Seele.

Der Anfall verging, und ein wilder Zorn packte ihn. Er fluchte wie ein Unhold und brüllte schreckliche Drohungen in die stille Luft. Wenn er den Mann hätte, der diese Falle gestellt hatte, würde er ihm hier an dieser Stelle das Leben aushauchen. Nein, das war zu gnädig. Er würde seinen Arm in die Falle zwingen und ihn an einen einsamen Ort bringen, an dem von einem Jahresende zum anderen nie ein Mensch vorbeikam. Dann würde er ihn sterben lassen und sich an seinem Leiden weiden. Mit jeder Drehung seines Körpers zerrte er an seiner Hand, und mit jeder Drehung schrie er wütender, bis er sich erschöpft zurücklegte und die grünen Hügel wieder in Ruhe gelassen wurden.

Dann schlief er einen Halbschlaf, der vielleicht eine Stunde dauerte, obwohl es ihm wie eine Ewigkeit vorkam. Er schien tot zu sein und Qualen zu erleiden, und der Ort seiner Qualen war eben dieser Hügel. An der Felswand spotteten tausend böse Geister über seine Qualen, und nicht nur seine Hand, sondern sein ganzer Körper war in einer erbarmungslosen Falle gefangen. Er spürte, wie sich der scharfe Stahl durch seine Knochen bohrte, wie ein Spaten durch eine gefrorene Rübe. Er wachte schreiend vor namenlosem Schrecken auf und suchte von allen Seiten nach den höllischen Gesichtern seiner Träume, sah aber nichts als einen kleinen Buchfinken, der über den Rasen hüpfte.

Dann begann für ihn eine lange Zeit langsamer, verzweifelter Qualen. Die heiße Luft glühte und die grimmige Sonne brannte auf sein Gesicht. Tausend Insekten summten um ihn herum, Bienen und Schmetterlinge und kleine Bergmotten. Der wohltuende Geruch von Thymian und Heidekraut umgab ihn, und hin und wieder durchbrach ein kleiner Windhauch die Stille und ließ das Gras kräuseln. Die wohltuende Wärme schien ihn zu erdrücken, sein Kopf schmerzte und sein Atem kam in plötzlichen Atemzügen. Ein überwältigender Durst überkam ihn, und seine Zunge war wie ein verbrannter Stock in seinem Mund. Keine zehn Fuß entfernt tanzte ein kleiner Brand über einer winzigen Kaskade. Er konnte den Staub der Gischt sehen, der die kühlen grünen Binsen benetzte. Das angenehme Plätschern sang in seinen Ohren und verhöhnte sein Fieber. Er versuchte, an Schnee und Eis und kaltes Wasser zu denken, aber sein Gehirn weigerte sich, seinen Teil dazu beizutragen, und er bekam nichts als eine unerträgliche Leere.

Weit über das Tal hinweg erhob sich die große Stirn des Dollar Law, streng und erhaben. Für seinen unruhigen Blick schien es, als würde er sich auf Scrape stürzen und die beiden spielten sich auf den niedrigeren Hügeln dahinter einen Streich. Ihm kam der Gedanke, wie unangenehm es für die Leute dort sein würde - unter ihnen ein Schäfer, dem er zwei Pfund schuldete. Er würde zu Staub zermalmt werden, und die Schulden würden auf jeden Fall nicht mehr bestehen. Dann kam ihm ein Text aus der Heiligen Schrift in den Sinn, etwas, das er nicht genau sagen konnte, über die Hügel und Berge, die wie Widder springen. Hier wurde es vor seinen Augen Wirklichkeit. Unter ihm, in dem friedlichen Tal, schien das Wasser von Manor zerknittert zu sein, wie das Gekritzel eines schlechten Schriftstellers. Wenn ein Vogel vorbeiflog oder ein Hase von seiner Form abwich, schrie er vor Entsetzen, und all die wohltuenden Anblicke eines Sommertages wurden von seinem rasenden Gehirn in schreckliche Phantome verwandelt. So wahr ist es, dass Natura Benigna und Natura Maligna Hand in Hand auf demselben Hügel wandeln können.

Dann kam der Zeitpunkt, an dem die Fäden der Vernunft fast geschnauzt sind und ein Mann rührselig wird. Er dachte an seine junge Frau, die noch keine sechs Wochen verheiratet war, und trauerte über ihren nahenden Kummer. Er weinte unnatürliche Tränen, die, wenn jemand dabei gewesen wäre, der ihn hätte sehen können, weitaus schrecklicher gewesen wären als seine Tobsuchtsanfälle. Er malte sich in grausigen Details aus, wie man seine Leiche finden würde, wie seine Frau schluchzen und seine Freunde den Kopf schütteln und schwören würden, dass er ein ehrlicher Kerl gewesen sei und dass es schade sei, dass er fort sei. Der Ort würde ihn bald vergessen, seine Frau würde wieder heiraten, seine Hunde würden ein neues Herrchen bekommen und er... ja, das war die Frage, wo würde er sein? und eine neue Furcht ergriff ihn, als er an das Schicksal dachte, das ihn erwarten könnte. Der ungebildete Mann hat in Zeiten der Not nichts, worauf er sich stützen kann, außer einem Geist voller lebendiger Überlieferungen, die das Gnadenloseste sind, was es gibt.

Es mochte drei oder vier Uhr sein, aber nach der Uhr in seinem Kopf war es Wochen später, als er diesen letzten und schrecklichen Schmerz erlitt, den jeder, der ihn einmal erlebt hat, bis ans Ende der Welt gehen würde, um ihn zu vermeiden. Die Welt wich vor ihm zurück, sein Verstand verließ ihn, und er schrie, bis die einsamen Felsen erklangen und die Whaups ihre erschrockenen Schreie mit seinen mischten. Mit einer letzten Anstrengung drückte er seinen Kopf mit der unverletzten Hand auf den Baumstamm, bis ihn die selige Bewusstlosigkeit in ihre barmherzige Umarmung nahm.

Um neun Uhr an diesem Abend schlich ein zerlumpter, ungeschorener Mann, der aussah, als sei er mit der Welt nicht ganz im Reinen, die kleine Plantage hinauf. Auf dem Rücken trug er einen Sack für seine Beute und einen mächtigen Stock für den Fall einer zufälligen Begegnung. Er besuchte seine Kutschen, die er in kleinen Winkeln versteckt hatte, wo niemand sie finden konnte, und es hätte den Anschein gehabt, dass der Handel rege war, denn sein Sack war schwer und seine Miene fröhlich. Er schaute hinter dem Deich hervor und betrachtete vorsichtig seine letzte Falle, wie es sich gehört, wenn man in Gefahr ist, und dann ging er in die Hocke, denn er sah die Gestalt eines Mannes.

Es war kein Zweifel, es war sein ärgster Feind, der Hüter von Cademuir. Er machte Anstalten, wegzukriechen, als er zufällig noch einmal nachschaute. Der Mann lag ganz still. Eine Minute später war er mit bleichem Gesicht nach vorne gestürmt und kämpfte wie um sein Leben.

In einer halben Stunde waren vielleicht zwei Männer in der kleinen Schlucht zu sehen. Der eine hatte ein graues, kränkliches Gesicht und blickte leer um sich, wie jemand, der aus einem langen Schlaf erwacht war. Mit viel Mühe und einer halben Flasche Branntwein war er aus dem wohl längsten Schlaf erwacht, den er je gehalten hatte. Neben ihm im Gras saß der Wilderer mit wilden Augen und vergoss hysterische Tränen. 'Macht mit mir, was Ihr wollt', sagte er, 'tretet mich oder tötet mich, ich bin bereit. Ich werde mit Ihnen ins Gefängnis gehen, nach Peebles oder Calton, und kein Wort sagen. Aber oh... mein Gott, ich dachte, Sie wären damit fertig.'

(Neuübersetzung: Alle Rechte vorbehalten)

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