Verlorene Heimat: Flut verwandelt vertrautes Dorf in eine gespenstische Wunderwelt
Verlorene Heimat: Flut verwandelt vertrautes Dorf in eine gespenstische Wunderwelt Zustand des dorfes nach der flut Die Uhr am Kirchturm blieb auf 3:12 stehen — der Moment, in dem das Dorf aufhörte, normal zu sein und anfing, sich in etwas Fremdes zu verwandeln. Anna stand mit den Händen in festem Gummihandschuhen am Rand der ehemaligen Hauptstraße und sah, wie der Schlamm die Gärten wie eine weitere Jahreszeit überzogen hatte. Es roch nach modrigem Holz, Öl und dem süßlichen Gestank verdorbener Erdbeeren; von weitem hörte man nur das Knarren einzelner Türen, die der Flut nicht widerstanden hatten. Häuser trugen helle Linien, die das Wasser hinterlassen hatte, wie Narben; Fenster waren zertrümmert, Gardinen hingen schwer und schwarz vom Wind. Die Bäckerei, die an jedem Sonntag warmen Duft in die Straße blies, war ein halb gespenstischer Raum aus nassen Säcken Mehl und umgestürzten Blechen. Auf der Dorfwiese lag eine Schafherde noch verwirrt zusammengepresst, die meisten Tiere mit trä...