Donald Trump: Der Kreml-Flüsterer im Weißen Haus?
Portugals Präsident lässt mit einer steilen These aufhorchen: Donald Trump, so Marcelo Rebelo de Sousa, agiere wie ein "sowjetischer oder russischer Agent". Eine Aussage, die zunächst wie eine rhetorische Provokation klingt – doch bei genauerem Hinsehen fügen sich zahlreiche Puzzleteile zu einem beunruhigenden Gesamtbild. Trumps Außenpolitik, sein fragwürdiger Umgang mit der Ukraine und seine historischen Kontakte nach Moskau werfen ernsthafte Fragen über seine geopolitischen Loyalitäten auf.
Rebelo de Sousa: "Trump handelt wie ein russischer Agent"
Die Bühne für diese Aussage war eine Veranstaltung der portugiesischen Sozialdemokraten in Castelo de Vide. Rebelo de Sousa sprach über den Ukraine-Konflikt und den internationalen Umgang mit Russland. Dabei bezeichnete er den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump offen als jemanden, der sich objektiv wie ein "russischer oder sowjetischer Agent" verhalte. Seine Begründung: Trumps Verhalten stärke auf strategischer Ebene die Russische Föderation, vor allem durch seine Rolle als selbsternannter Friedensvermittler, der jedoch nur eine Seite zu hören scheint: den Kreml.
Diese provokante Analyse reiht sich ein in eine lange Liste von Kritikpunkten, die Trump seit Jahren begleiten. Doch diesmal kommt sie nicht aus demokratischen oder linken Kreisen der USA, sondern von einem europäischen Staatsoberhaupt – was dem Ganzen zusätzliche politische Brisanz verleiht.
Trumps Sanktionen: Viel Lärm um Nichts
Ein Blick auf die Sanktionspolitik Trumps zeigt, dass seine Worte oft nicht von Taten gefolgt wurden. Zwar drohte er Russland mit harten Maßnahmen, doch diese blieben vielfach aus oder wurden wieder abgeschwächt. Insbesondere im Kontext des Ukraine-Krieges bemängten viele Experten, dass Trumps Administration nur symbolische Sanktionen verhängt habe, die kaum wirtschaftliche Wirkung zeigten.
Laut einer Analyse von Reuters sind gerade die wirksamsten Sanktionen – wie etwa gegen russische Energieexporte – nur im Zusammenspiel mit der EU effektiv. Trumps einseitiger Kurs war hier nicht nur wirkungslos, sondern schwächte auch die transatlantische Geschlossenheit.
Inoffizielle Kanäle: Trumps dubiose Diplomatie
Ein besonders brisantes Detail offenbart ein Bericht von Reuters: Trump beauftragte im Sommer 2025 seinen persönlichen Geschäftspartner Steve Witkoff als inoffiziellen Mittelsmann für Gespräche mit dem Kreml. Diese "diplomatische Schattenoperation" verlief ohne Rücksprache mit offiziellen Gremien und sorgte sowohl in Europa als auch in den USA für Irritation.
Ein geplanter Alaska-Gipfel mit Putin endete ergebnislos. Kritiker sprachen von einer PR-Show, die weder Druck auf Moskau aufbaute noch der Ukraine half. Vielmehr gewann Russland wertvolle Zeit – ein strategischer Vorteil, den Rebelo de Sousa in seiner Rede explizit betonte.
Trumps Rhetorik: Scharfe Worte gegen Kiew, Milde gegen Moskau
Ein weiteres Indiz für die fragwürdige Parteinahme Trumps ist seine Sprache. Während er präsidentielle Kritik an Wladimir Putin stets vermied oder relativierte, fanden sich in seinen Reden und Statements immer wieder scharfe Worte gegen die ukrainische Regierung und Präsident Selenskyj. Trump inszenierte sich als neutraler Vermittler, untergrub jedoch gleichzeitig die Position der Ukraine auf internationaler Ebene.
Wie The Guardian berichtet, verzichtete Trump nach dem Gipfel mit Putin auf jegliche scharfe Worte gegen Moskau. Stattdessen warnte er vor einer "Eskalation durch übereifrige NATO-Staaten" – ein Narrativ, das auffallend gut zur russischen Propaganda passt.
Historische Nähe zu Russland: Von Trump Tower bis Helsinki
Trumps Russland-Verbindungen sind kein neues Thema. Schon in den 1980er Jahren bemühte sich Trump um Immobiliengeschäfte in Moskau. Der "Trump Tower Moskau" blieb zwar ein Phantom, doch die Gespräche mit Oligarchen, Banken und sogar Regierungsvertretern waren real – und gut dokumentiert.
Besonders in Erinnerung bleibt auch das denkwürdige Treffen in Helsinki 2018, bei dem Trump Putins Dementis zur russischen Wahlbeeinflussung öffentlich über die Einschätzung der eigenen Geheimdienste stellte. Diese Szene gilt bis heute als Tiefpunkt US-amerikanischer Außenpolitik und wird von vielen Analysten als Zeichen einer ungesunden Nähe zum Kreml gewertet.
Rebelo de Sousa ist nicht allein
Während die Wortwahl des portugiesischen Präsidenten hart ist, steht er mit seiner Einschätzung keineswegs allein. Zahlreiche Experten, Journalisten und ehemalige Diplomaten warnen seit Jahren vor Trumps außenpolitischer Agenda, die in ihrer Wirkung eher Putins Interessen dient als westlichen Werten.
Die Washington Post spricht gar von einer historischen "Kurskorrektur", in der Trump systematisch Demokratie-Initiativen kürzte, militärische Hilfen einfrieren ließ und kritische Stimmen zum Schweigen brachte. Eine Politik, die nicht nur der Ukraine schadet, sondern auch der internationalen Ordnung.
Kein Agent, aber ein nützlicher Helfer?
Ob Donald Trump tatsächlich ein russischer Agent ist, lässt sich schwer beweisen – und das hat auch Rebelo de Sousa nicht behauptet. Doch objektiv betrachtet, hat sein politisches Handeln mehrfach zu strategischen Vorteilen für Russland geführt. Und das ist am Ende entscheidender als die Frage, ob er bewusst oder unbewusst agiert.
Die Weltgemeinschaft steht vor der Herausforderung, sich gegen hybride Bedrohungen und Desinformationskampagnen zu wappnen. Wenn ein ehemaliger US-Präsident dabei als Multiplikator russischer Narrative auftritt, sollte das Anlass zur Sorge sein – unabhängig davon, ob er ein Agent ist oder nicht.
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